WM Amsterdam: Claire Ghiringhelli gewinnt erste WM-Medaille im Pararudern für die Schweiz
Am vorletzten Wettkampftag der Weltmeisterschaften in Amsterdam durfte SWISS ROWING erneut eine historische Medaille feiern: Pararuderin Claire Ghiringhelli gewann nach Bronze an den Europameisterschaften heute auch an den Weltmeisterschaften die Bronzemedaille. Damit holt sie auch die erste WM-Medaille im Pararudern für die Schweiz überhaupt. An einem erneut von Wetterkapriolen und Anpassungen durch die Fairness-Kommission geprägten Wettkampftag sicherte sich zudem Aurelia-Maxima Janzen den Einzug in den A-Final der besten sechs und rudert damit am Sonntag um die Medaillen.
Nur einen Tag nach der ersten WM-Medaille für einen Schweizer Frauen-Doppelzweier legte Claire Ghiringhelli im Para-Einer der Frauen mit einer weiteren Bronzemedaille nach. Über die gesamte Strecke lieferte sich die Schweizerin ein enges Duell mit der Niederländerin Eva Mol, die an den Europameisterschaften in Varese noch vor Ghiringhelli klassiert gewesen war.
Auch Aurelia-Maxima Janzen knüpfte im Halbfinal des Frauen-Einers an ihre starken Vorleistungen an. Mit Rang drei qualifizierte sie sich erstmals für einen A-Final an einer Elite-Weltmeisterschaft. Für Kai Schätzle verlief das Halbfinale dagegen weniger erfreulich. Früh entwickelte sich eine Rennsituation, die sich zu Ungunsten des Luzerners auswirkte. Schätzle beendete das Rennen auf Rang fünf und qualifizierte sich damit für den B-Final.
Der Schweizer Frauen-Doppelvierer zeigte im B-Final nochmals eine starke Leistung und legte alles in die Waagschale. Das Rennen entschied das Schweizer Quartett für sich und sicherte sich damit den siebten Schlussrang an diesen Weltmeisterschaften.
Die letzten Vorläufe der Regatta bestritten heute die Mixed-Doppelzweier. Für die Schweiz sind dabei die Vorjahresdritten Raphaël Ahumada und Célia Dupré am Start. Das Duo musste heute wetterbedingt über das Qualifikationssystem der Time Trials antreten.
Rennberichte
A-Finals
Para Frauen-Einer
1. UKR, 2. BEL, 3. SUI, 4. NED, 5. BRA, 6. SWE
Die haushohe Favoritin dieses Rennens war die Ukrainerin Anna Sheremet. Nach ihrem Europameistertitel vor vier Wochen und einem deutlichen Sieg im Vorlauf setzte sie sich auch im Final gleich zu Beginn vom Feld ab. Dahinter folgten die WM-Debütantin aus Belgien, die wiederum Wasser zwischen sich und das folgende Duo aus Claire Ghiringhelli (Società Canottieri Locarno) und der Niederländerin Eva Mol legen konnte.
Die Taktik, sich am Start vor die Niederländerin zu setzen, sollte sich für Ghiringhelli auszahlen. Über die gesamte Strecke verteidigte sie den knappen Vorsprung von rund einem Meter und konnte zum Ziel hin dann noch etwas drauflegen. Lautstark angefeuert von den Schweizer Fans an der Bosbaan, vergrösserte sie den Abstand auf die Niederländerin auf schliesslich sechs Sekunden. Damit lag sie im Ziel zwei Bootslängen vor der Viertplatzierten.
Gold und Silber waren zu diesem Zeitpunkt bereits ausser Reichweite. Ghiringhelli sicherte aber der Schweiz mit ihrer Leistung die historische Bronzemedaille.
Halbfinals
Frauen-Einer
1. IRL, 2. SRB, 3. SUI, 4. UKR, 5. AUS, 6. BRA
Im Halbfinal traf Aurelia-Maxima Janzen (Scuola Canottaggio Caslano e Malcantone) zum dritten Mal an dieser Regatta auf die amtierende Weltmeisterin Fiona Murtagh. Gemeinsam mit der Serbin Jovana Arsic, einer weiteren Favoritin, startete Murtagh nach der wegen des einfallenden Mitwinds notwendigen Neuverteilung der Bahnen auf einer der beiden äusseren Bahnen. Janzen ruderte auf Bahn drei, flankiert von der Ukrainerin Kateryna Dudchenko. Auf den Bahnen fünf und sechs starteten die Australierin Tara Rigney und die Brasilianerin Tavares.
Es war Arsic, die versuchte, Murtagh und Janzen mit einem schnellen Start zu überraschen – ähnlich wie es im Vorlauf der Südafrikanerin Bladenhorst gelungen war, die den Lauf anschliessend gewann. Janzen konnte der Flucht nach vorne zunächst am besten folgen. Murtagh fiel leicht auf Rang drei zurück, während sich die Australierin auf dem vierten Rang einreihte.
Bei rund 1200 Metern lancierte Murtagh jedoch einen massiven Angriff auf Arsic. Mit hoher Bootsgeschwindigkeit zog die Irin auf den folgenden rund 500 Metern an der Serbin vorbei und davon. Auch Janzen zeigte weiterhin ein starkes Rennen und hielt eine konstant hohe Bootsgeschwindigkeit, die jener der Serbin entsprach. An Arsic kam sie zwar nicht mehr vorbei, verteidigte aber Rang drei gegen die Australierin, die auf der zweiten Streckenhälfte langsam näherkam.
Nach rund 1600 Metern liess die Geschwindigkeit von Rigney jedoch kurz etwas nach, während Janzen ihr Tempo konstant halten konnte. Die dadurch entstandene Lücke verteidigte die Schweizerin auch gegen den Schlussangriff der Australierin und überquerte die Ziellinie als Dritte. Damit qualifizierte sie sich erstmals für einen A-Final an einer Elite-Weltmeisterschaft.
Männer-Einer
1. AIN, 2. NOR, 3. FRA, 4. GRE, 5. SUI, 6. DEN
Im zweiten Halbfinal des Männer-Einers traf Kai Schätzle (Seeclub Luzern) unter anderem auf den neutralen Athleten Yauheni Zalaty, den Serien-Zweitplatzierten dieser Saison, sowie den amtierenden Weltmeister Stefanos Ntouskos. Komplettiert wurde das Feld durch den Franzosen Victor Marcelot, den Norweger Jonas Slettemark Juel und den Dänen Bastian Secher.
Die Initiative übernahm zunächst der Norweger, dicht gefolgt von Zalaty. Zwischen den beiden entwickelte sich ein Duell um die Spitzenposition. Über die erste Streckenhälfte trennte die beiden nicht einmal eine Sekunde. Mehr als eine Bootslänge dahinter entstand ein zweites Duell um Rang drei zwischen dem Franzosen Marcelot und dem Griechen Ntouskos.
Schätzle verlor trotz eines guten Starts auf die vier Ruderer an der Spitze bereits im ersten Teil des Rennens etwas an Boden. Durch die beiden Bord-an-Bord-Duelle entwickelte sich im vorderen Feld eine hohe Dynamik, wodurch es für den Luzerner schwierig wurde, den Anschluss wiederherzustellen.
Mit jeweils einem fulminanten Endspurt fielen auf dem letzten Streckenviertel die Entscheidungen: Zunächst setzte sich Marcelot von Ntouskos ab und sicherte sich Rang drei. Anschliessend zog Zalaty an Slettemark Juel vorbei und verwies den Norweger deutlich auf Rang zwei. Schätzle überquerte die Ziellinie auf Rang fünf und qualifizierte sich damit für den B-Final.
Vorläufe
Mixed-Doppelzweier
1. IRL, 2. SUI, 3. AUT, 4. NZL, 5. FIN, 6. MAR
Nach wetterbedingten Bahnverlegungen und Unterbrüchen während der bisherigen Regatta kam es auch bei den Vorläufen im Mixed-Doppelzweier zu einer weiteren Anpassung des Wettkampfmodus. Erneut wurden schwierige Windbedingungen erwartet, welche die faire Austragung der Vorläufe gefährdeten. Einzelne Bahnen wären deutlich im Vorteil gewesen.
Die Fairness-Kommission entschied deshalb, den Qualifikationsmodus der Time Trials auf die Vorläufe anzuwenden. Die angesetzten Läufe wurden zwar weiterhin separat gewertet, die Boote starteten jedoch nicht nebeneinander. Stattdessen absolvierten alle Boote die Strecke einzeln auf derselben Bahn gegen die Uhr.
Die Vorjahresdritten in dieser Bootsklasse, Célia Dupré und Raphaël Ahumada (Forward Rowing Club Morges), setzten auf eine hohe Grundgeschwindigkeit und bauten zusätzlich mehrere Sprints in ihren Lauf ein. Mit dieser Strategie erzielten sie die zweitschnellste Zeit hinter den Iren.
Die Irin Margaret Cremen ist die amtierende Weltmeisterin in dieser Bootsklasse. Im vergangenen Jahr gewann sie den Titel gemeinsam mit Fintan McCarthy, in diesem Jahr startet sie mit Conan Pazzaia.
Mit Rang zwei qualifizierten sich Dupré und Ahumada für den morgigen Halbfinal.
B-Finals
Frauen-Doppelvierer
1. SUI, 2. FRA, 3. IRL, 4. CHN, 5. CAN, 6. GRE
Nach dem vorgestern knapp verpassten Einzug in den A-Final ging es für Lisa Lötscher (Seeclub Luzern), Célia Dupré (Club Aviron Vésenaz), Flavia Lötscher (Seeclub Luzern) und Nina Wettstein (Seeclub Stäfa) im B-Final um die Ränge sieben bis zwölf. Alle Gegnerinnen in diesem Rennen hatte das Schweizer Team um Trainer Nick Lloyd im bisherigen Saisonverlauf bereits geschlagen. Ein Sieg lag damit durchaus im Bereich des Möglichen.
Gut vom Start weggekommen, hefteten sich die vier Schweizerinnen gleich zu Beginn an die Fersen der Französinnen und Chinesinnen. Bei der 500-Meter-Marke lag die Schweiz auf Rang drei, nur wenige Meter hinter den beiden führenden Booten.
Danach arbeitete sich das Schweizer Quartett Schlag für Schlag nach vorne. Rund 200 Meter später zog es an den Chinesinnen vorbei und lieferte sich bis zur 1200-Meter-Marke einen Bug-an-Bug-Kampf mit Frankreich.
Auf den letzten 800 Metern errang die Schweiz ihren Vorsprung von rund einer halben Bootslänge und überquerte die Ziellinie als Erste. Damit sicherten sich die amtierenden Europameisterinnen den Sieg im B-Final vor Frankreich und Irland, das auf der zweiten Streckenhälfte noch an China vorbeiziehen konnte.
Amsterdam, 29. August 2026 / NS