Ruder-WM Racice (CZE): 11 Schweizer Boote beim Saisonhöhepunkt

Ruder-WM Racice (CZE): 11 Schweizer Boote beim Saisonhöhepunkt

Artikel - Ruder-WM Racice (CZE): 11 Schweizer Boote beim Saisonhöhepunkt

Insgesamt 25 Ruderinnen und Ruderer in 11 Booten reisen an die Ruder-WM nach Tschechien. Wieder mit dabei sind die EM-Medaillengewinner im leichten Doppelzweier, Raphaël Ahumada und Jan Schäuble, sowie Andri Struzina im Leichtgewichtseiner.

Nach ihrem coronabedingten Rückzug von der EM in München brennt Einer-Ruderin Jeannine Gmelin auf den Saisonhöhepunkt. Mit dem Doppelvierer der Frauen und Männer sowie dem Männer-Riemenvierer zeigt die Schweiz eine überdurchschnittliche hohe WM-Präsenz in Grossbooten. 

Wenn sich vom 18. bis 25. September 2022 in Racice (CZE) rund 900 Ruderinnen und Ruderer aus 65 Nationen zu den Weltmeisterschaften zusammenfinden, ist die Schweiz mit einer ansehnlichen Delegation von elf Booten vertreten. 


==> Trainingsbilder Ruder-WM Racice, Donnerstag, 15.09.2022 (Fotograf: Detlev Seyb)

==> Trainingsbilder Ruder-WM Racice, Freitag, 16.09.2022 (Fotograf: Detlev Seyb)


Nach dem post-olympischen Winter einhergehend mit studienbedingten Absenzen und der Wiederverpflichtung von Ian Wright als Headcoach (Trainer der Olympiasieger im leichten Vierer-ohne von 2016) entschied sich der Verband SWISS ROWING zu einem gestaffelten Eintritt in die Rudersaison 2022. Während zum Saisonstart die jungen Nachwuchskräfte im Elite-Kader für Furore sorgten, kehrten die Olympiateilnehmenden zeitversetzt auf die internationale Ruderbühne zurück. An den Weltmeisterschaften liegen nun alle Karten auf dem Tisch. 

Männer Leichtgewichte vor der Leistungsbestätigung
Bei den EM-Bronzemedaillisten Raphaël Ahumada und Jan Schäuble im Doppelzweier sowie Andri Struzina im Einer der Leichtgewichte macht es Sinn, das Trio in einem Atemzug zu nennen. In unterschiedlichen Bootsbesetzungen war die Trainingsgruppe im leichten Doppelzweier Gesamt-Weltcupsieger geworden. Das junge Trio erkämpfte sich zudem an der EM in München in zwei Bootsklassen jeweils die Bronzemedaille. Nun geht es darum, die konstanten Leistungen auf Top-Niveau auch an der WM zu bestätigen. «So gesehen ging es bei uns in den letzten Tagen hauptsächlich darum zu schärfen, was wir schon können», sagt Jan Schäuble. «Unser Headcoach Ian Wright nennt dies treffend «sharpen the pencil», den Bleistift zu spitzen. Der Fokus lag dabei auf einer sehr guten Zusammenarbeit im Rennen und dem Timing.»

Trotz einem beeindruckenden Teilnehmerfeld von 29 Booten dürfte dem Schweizer Leichtgewichts-Doppelzweier die härteste Konkurrenz aus europäischen Rudernationen erwachsen. Dazu zählt zweifellos Irland mit Paul O’Donovan und Fintan McCarthy. An den Olympiasiegern und Europameistern gab es bislang kein Vorbeikommen. Der Olympia-Dritte Italien mit Stefano Oppo und Pietro Ruta ist ebenfalls am Start. Norwegen mit Ask Jarl Tjoem und Lars Benske ist in dieser Saison ein weiteres Schwergewicht bei den Leichten. Auch wenn das Boot den EM-Final verpasste, demonstrierte es mit einem Sieg und einem dritten Rang in den Weltcups grosses Potenzial. Frankreich mit Ferdinand Ludwig und Hugo Beurey glänzte an der EM zwar durch Abwesenheit, im Rahmen der Weltcupserie aber hatte es sich sowohl in Poznan als auch Luzern vor dem Schweizer Boot klassiert. Nicht aus den Augen verlieren sollten die Schweizer auch Tschechien mit Miroslav Vrastil und Jiri Simanek. Die Olympia-Vierten und EM-Fünften geniessen an der Ruder-WM Heimvorteil und dürften entsprechend Rückenwind verspüren. 

Im Leichtgewichtseiner trifft Andri Struzina mit Europameister Antonios Papakonstantinou aus Griechenland und Gabriel Soares aus Italien auf das EM-Podest. «Der zusätzliche Monat, den ich im Skiff verbringen konnte, hob mein Leistungslevel verglichen zur EM nochmals an», freut sich der Zuger auf den WM-Start. Zusätzliche Konkurrenz könnte ihm indessen aus Übersee durch den Uruguayer Bruno Cetraro Berriolo erwachsen. Er zeigte an der LUCERNE REGATTA mit dem dritten Rang sein Potenzial, nachdem er beim zweiten Weltcup in Poznan noch Siebter geworden war. Insgesamt 30 Boote sind gemeldet. 

Im Frauen-Doppelzweier der Leichtgewichte stehen die EM-Fünften, Frédérique Rol und Patricia Merz, auch an der WM im Einsatz. Sie reisen direkt aus dem Trainingslager in Portugal nach Tschechien. «Ein Monat lang lag unser Fokus ganz auf der WM», erklärt Patricia Merz. «Wir mögen es beide, wenn die Trainings intensiver, schneller und die hohen Schlagzahlen zur Normalität werden. Wir fühlen uns bereit und freuen uns vor allem auf die Wettkämpfe.» Das Duo gehört zu den Schweizer Teams, die zeitverzögert in die Saison starteten. Beim Weltcup in Poznan als Sechste klassiert, mussten die beiden in Luzern pausieren, da sie sich nur schleppend von einer Coronainfektion erholten. Damit ist die WM in Racice erst der dritte internationale Auftritt der Olympia-Siebten. 24 Boote sind gemeldet, darunter auch die Olympiasiegerinnen aus Italien, die Olympia-Zweiten aus Frankreich und die Europameisterinnen aus Grossbritannien. 

Für Eline Rol, in München EM-Siebte, geht es im Leichtgewichtseiner um die langersehnte Qualifikation für den Final der besten sechs Boote. Die Latte wird hoch liegen. Zu den starken europäischen Booten aus Rumänien (Ionela Cozmiuc), Griechenland (Zoi Fitsiou) und den Niederlanden (Martine Veldhuis) stossen an der WM weitere erfahrene Ruderinnen aus Australien (Georgia Nesbitt), Südafrika (Kristen McCann) und Neuseeland (Jackie Kiddle) hinzu. Insgesamt starten 25 Ruderinnen.

Jeannine Gmelin: Saisonhöhepunkt WM als Startpunkt in die Olympia-Qualifikation 
Nach Silber beim Weltcup in Poznan und Bronze in Luzern lag Einer-Ruderin Jeannine Gmelin auch an der EM in München auf Kurs, als sie durch eine Coronainfektion jäh ausgebremst wurde und sich von den Wettkämpfen zurückziehen musste. War sie schon zu den Europameisterschaften direkt aus dem Vorbereitungscamp in Portugal angereist, kehrte sie danach für die WM-Vorbereitung in ihr portugiesisches Trainingsrevier zurück. «Ich erholte mich zwar relativ schnell und gut von Corona, aber die verpasste EM als Standortbestimmung brauchte mental ein wenig Verarbeitung», erklärt Jeannine Gmelin. «Ich konnte die Zeit in Portugal gut nutzen und mich vorbereiten. Die WM sehe ich aber nicht etwa als Abschluss dieser Saison, sondern als Startpunkt des Qualifikationsjahres mit der Vergabe der Olympia-Quotenplätze an der WM 2023.» Unter den 25 WM-Teilnehmenden in Racice befinden sich neben der deutschen U23-Weltmeisterin, EM-Dritten und LUCERNE REGATTA-Siegerin Alexandra Föster auch Emma Twigg aus Neuseeland, die ihr erstes internationales Rennen seit ihrem Olympiasieg in Tokio rudert. Daneben starten auch die Gesamt-Weltcupsiegerin Karolien Florijn aus den Niederlanden und die Australierin Tara Rigney, die Zweitplatzierte in Luzern.  

Grosses Potenzial in den Grossbooten
Im Rahmen des laufenden olympischen Zyklus’ bis Paris 2024 plant der Verband SWISS ROWING, mehr als ein starkes Grossboot auf internationaler Ebene zu etablieren, um an der Ruder-WM in Belgrad 2023 um die begehrten Quotenplätze für die Olympischen Spiele zu rudern. Die dafür notwendige Breite auf Top-Niveau ist vorhanden. «Dank der guten Nachwuchsarbeit in den Ruderclubs und in unseren Nachwuchskadern haben wir die Nationalmannschaft verbreitern können», freut sich Verbandsdirektor Christian Stofer. «Aus begeisterten Jugendlichen sind starke Nachwuchsruderinnen und -ruderer geworden, die täglich mit hohem persönlichem Engagement an der Erfüllung ihres eigenen Olympiatraums arbeiten.» 

Doppelvierer der Frauen und Männer in der erweiterten Weltspitze etablieren
Bei den Frauen trainieren im Rahmen des Olympia-Projekts «Succès» sieben Ruderinnen, um sich mit dem Doppelvierer für die Olympischen Spiele 2024 in Paris zu qualifizieren. So gelang es insbesondere den U23-Weltmeisterinnen von 2021 im Frauen-Doppelvierer, im Verlauf der Saison bei der Elite Fuss zu fassen. In der Besetzung Pascale Walker, Lisa Lötscher, Salome Ulrich und Célia Dupré gewann das Boot beim zweiten Weltcup der Saison in Polen die Silbermedaille. Ein deutliches Ausrufezeichen. An der EM in München belegte die junge Crew den vierten Rang. Danach wurden hinsichtlich der WM die Rollsitze frisch verteilt. Neu rudert die 21-jährige Célia Dupré am Schlag. Dahinter nimmt Pascale Walker Platz, gefolgt von Lisa Lötscher. Für die Rennansagen im Bug ist neuerdings Salome Ulrich zuständig. «In den letzten Wochen haben wir an der Synchronität gearbeitet, um einen ruhigen und leichten Rhythmus zu finden», sagt Célia Dupré. «Nun freuen wir uns auf die hohen Schlagzahlen bei Renntempo.» Gemeldet sind 14 Nationen. Neben dem gesamten Olympia-Podest mit China, Polen und Australien ist auch das derzeit überragende Boot aus Grossbritannien am Start. 

Ebenfalls auf die WM hin in neuer Reihenfolge sitzt der Männer-Doppelvierer mit den Nachwuchskräften Patrick Brunner, Kai Schätzle, Nils Schneider und Dominic Condrau. Der Altersdurchschnitt der Crew liegt bei gerade mal 22 Jahren. Mit dem fünften Rang beim Weltcup in Polen sowie dem sechsten Platz beim Weltcup-Auftakt in Belgrad gelang dem Boot ein verheissungsvoller Start auf der internationalen Ruderbühne. Im Verlauf der Saison mussten sie aber wiederholt gegen abgebrühte Top-Crews einstecken und verpassten zwei Mal die Qualifikation für den A-Final. Die neue Sitz-Reihenfolge optimiert nun das Gefüge und setzt neue Impulse. «Ziel ist es, dass wir uns in der neuen Formation noch besser miteinander zu bewegen», erklärt der neue Schlagmann Patrick Brunner. «Direkt nach der EM folgte ein weiterer, harter Trainingsblock. In den letzten Tagen arbeiteten wir nun noch an den hohen Schlagzahlen.» 17 Boote sind im Männer-Doppelvierer gemeldet, darunter auch alle A-Final-Boote der EM mit Europameister Italien, Polen, Rumänien, Grossbritannien, Estland und Frankreich.

Weiterführung des Olympia-Projekts Riemenvierer 
Der Vierer ohne Steuermann trainiert, bedingt durch studienbedingte Absenzen, erst seit Mitte Juli in seiner aktuellen Besetzung. Aus dem Riemenvierer, der an den Olympischen Spielen in Tokio 2021 den 9. Rang belegt hatte, kehrten Andrin Gulich und Joel Schürch ins Boot zurück. Neu hinzu stiessen indessen Roman Röösli (Olympia-Fünfter 2021 im Doppelzweier, Boat Race-Sieger im Oxford-Achter) und Nachwuchsruderer Tim Roth (U23-WM-Bronze 2021 im Doppelzweier, National Champion im Achter der University von California in Berkeley). An der EM in München liess das Riemenboot sein grosses Potenzial zum ersten Mal aufblitzen und belegte in einem spannenden Finish den fünften Rang. Auch hier folgte wenige Tage später eine neue Sitzordnung. Am Schlag sitzt neuerdings der 20-jährige Tim Roth, gefolgt von Andrin Gulich, Joel Schürch und Roman Röösli. «Wir haben verschiedene Kombinationen getestet und sind zum Schluss gekommen, dass diese Sitzreihenfolge momentan am schnellsten ist», erklärt Bugmann Röösli. «Es gibt sicherlich noch viele Dinge zu verbessern, wofür wir noch mehr Zeit brauchen. Jetzt gilt es mit dem, was uns zur Verfügung steht, die beste Performance an den Tag zu legen.» 19 Boote sind an der WM gemeldet. Zu den derzeit starken Briten gesellen sich unter anderem auch Australien (Weltcupsieger in Poznan und Zweiter in Luzern). «Es ist noch viel möglich. Das haben wir an der EM gesehen. Aber ja, es kommen weitere starke Mannschaften hinzu. Wir freuen uns auf jeden Fall extrem auf die Rennen», sagt Roman Röösli.

Grosse Breite für internationale Einsätze 
Mit Fabienne Schweizer und Nina Wettstein im Frauen-Doppelzweier, Jonah Plock und Maurin Lange im Zweier ohne Steuermann sowie Scott Bärlocher im Männer-Einer verfügt der Verband SWISS ROWING über weitere vielversprechende Ruderinnen und Ruderer, die mit ihrem WM-Einsatz ihre weitere Entwicklung als Leistungsträger auf internationalem Top-Niveau vorantreiben. Fabienne Schweizer und Nina Wettstein gehören zum Frauen-Projekt «Succès» und rudern im Doppelzweier in einem 19 Boote umfassenden WM-Feld. Ebenfalls 19 Nationen nehmen im Zweier ohne Steuermann teil mit Jonah Plock und Maurin Lange. Scott Bärlocher rudert im Männer-Einer in einem ganze 40 Boote umfassenden Teilnehmerfeld. Als Ersatzruderin wurde Olivia Nacht selektioniert.


Das provisorische Programm (Stand 07.09.2022)


Die Schweizer Boote

Frauen

Einer Frauen Leichtgewichte (LW1x)
Eline Rol (Société Nautique Genève, Section Aviron)

Einer Frauen (W1x) 
Jeannine Gmelin (Ruderclub Uster)

Doppelzweier Frauen Leichtgewichte (LW2x)
Frédérique Rol (Lausanne Sports, Section Aviron)
Patricia Merz (Seeclub Zug)

Doppelzweier Frauen (W2x)
Fabienne Schweizer (Seeclub Luzern)
Nina Wettstein (Seeclub Stäfa)

Doppelvierer Frauen (W4x)
Célia Dupré (Club d’Aviron Vésenaz)
Pascale Walker (Ruderclub Zürich)
Lisa Lötscher (Seeclub Luzern)
Salome Ulrich (Seeclub Luzern)

Männer

Einer Männer Leichtgewichte (LM1x)
Andri Struzina (Seeclub Zug)

Einer Männer (M1x)
Scott Bärlocher (Ruderclub Baden)

Doppelzweier Männer Leichtgewichte (LM2x)
Raphaël Ahumada (Forward Rowing Club Morges)
Jan Schäuble (Seeclub Stansstad)

Zweier ohne Steuermann Männer (M2-)
Jonah Plock (Ruderclub Rapperswil-Jona)
Maurin Lange (Seeclub Luzern)

Vierer ohne Steuermann Männer (M4-)
Tim Roth (Grasshopper Club Zürich, Ruder-Sektion)
Andrin Gulich (Seeclub Küsnacht)
Joel Schürch (Seeclub Sursee)
Roman Röösli (Seeclub Sempach)

Doppelvierer Männer (M4x)
Patrick Brunner (Seeclub Sempach)
Kai Schätzle (Seeclub Luzern)
Nils Schneider (Seeclub Biel)
Dominic Condrau (Ruderclub Rapperswil-Jona)

Ersatz
Olivia Nacht (Ruderclub Baden)


13.09.2022 / vdg / 13.10 Uhr