Mit dem Männer-Doppelvierer, Frauen-Doppelzweier und dem Leichtgewichtseiner rudern drei weitere Schweizer Boote im Halbfinal um den Einzug in den A-Final. Fünf Boote können sich am Freitag per Hoffnungslauf den Einzug in den A-Final der besten sechs sichern.
==> Bildergalerie EM München vom Donnerstag, 11.08.2022 (Fotos: Detlev Seyb und Maren Derlien)
Am Starttag der Ruder-EM wurden die 660 Ruderinnen und Ruderer auf der Olympiastrecke von 1972 in Oberschleissheim von sommerlichen Temperaturen, aber starkem Gegenwind empfangen. Dieser sorgte für anspruchsvolle Ruderbedingungen und verlängerte die Renndauer über die zwei Kilometer lange Strecke deutlich.
Jeannine Gmelin: Erfolgreiche Tests zum Stehvermögen im Schlusssprint
Jeannine Gmelin traf im heutigen EM-Vorlauf auf zwei Nachwuchsruderinnen besonderen Kalibers, spielte dabei aber ihre Routine gekonnt aus. «Es ist mir gelungen, das Rennen gut zu planen. Das Timing stimmte», erklärte sie nach dem Rennen. Die deutsche U23-Weltmeisterin und Skiff-Siegerin an der LUCERNE REGATTA, Alexandra Föster, wurde von der Norwegerin Siri Eva Kristiansen in den Hoffnungslauf verwiesen. Indessen packte die Griechin Evangelia Anastasiadou, ihrerseits U23-Weltmeisterin im Leichtgewichtseiner, die Gelegenheit beim Schopf und holte sich den Vorlaufsieg mit einem Vorsprung von 0,55 Sekunden vor Jeannine Gmelin. «Die junge Griechin ist nicht zu unterschätzen. Sie hat in Varese einen neuen U23-Weltrekord aufgestellt, der schneller ist als derjenige der offenen Gewichtsklasse.» Mitentscheidend war heute auch das Stehvermögen. Jeannine Gmelin: «Das Rennen dauerte fast über eine Minute länger, als dies normalerweise der Fall ist. Aber klar ist: Im nächsten Rennen schalte ich einen Gang höher.» Der Halbfinal findet am Samstagvormittag statt.
Im Frauen-Einer der Leichtgewichte belegte Eline Rol hinter der Niederländerin Martine Veldhuis den starken zweiten Rang. Da aber nur die Siegerin direkt in den A-Final weiterkam, rudert Eline Rol am Freitag im Hoffnungslauf um den Finaleinzug.
Raphaël Ahumada und Jan Schäuble: Nur die Olympiasieger waren schneller
Ein kurzfristiger Rückzug des französischen Bootes änderte den Qualifikationsmodus, und es gab eine neue Vorlauf-Auslosung für den Leichtgewichts-Doppelzweier. Im heutigen Vorlauf waren die Olympiasieger aus Irland sowie Tschechien, die Weltcup-Dritten von Belgrad, ein guter Gradmesser für den Formstand des Schweizer Duos. Raphaël Ahumada und Jan Schäuble fanden sofort ins Rennen und setzten sich umgehend an die Spitze, welche sie aber auf der zweiten Streckenhälfte an die Iren verloren. «Nach 1400 Metern erfasste uns eine starke Windböe», erklärte Raphaël Ahumada nach dem Rennen. «Wir verloren unseren guten Rhythmus und in der Folge auch den Kontakt zu den Iren.» Weil nur der Vorlaufsieger direkt in den A-Final weiterkam, sparten die Schweizer ihre Kräfte für den Hoffnungslauf vom Freitag auf, bei welchem die besten zwei Boote die Tickets für den A-Final holen können.
Einen sauberen Auftritt legte Andri Struzina im Vorlauf des Leichtgewichtseiners hin. Der dritte Leichtgewichtsruderer des Elite-Kaders ruderte vorab solide auf dem dritten Zwischenrang, der für die Halbfinal-Qualifikation bereits gereicht hätte. Auf dem letzten Streckenviertel testete er schliesslich seine Beine und schob sich mit der besten Abschnittszeit des gesamten Feldes an die zweite Stelle hinter den Slowenen Rajko Hvrat. Als Zweitplatzierter qualifizierte er sich direkt für den Halbfinal vom Samstagvormittag.
Vierer ohne Steuermann: Premiere gelungen
Für Andrin Gulich und Joel Schürch bedeutete das heutige EM-Rennen eine Rückkehr in den Olympia-Vierer von 2021, für Roman Röösli und Tim Roth aber war das heutige Rennen im Schweizer Riemenvierer eine Premiere. «Es macht Spass, wieder internationale Rennen auf einer Zwei-Kilometer-Rennstrecke zu fahren», sagte Routinier Roman Röösli im Anschluss an den Vorlauf. Das Boot erreichte den dritten Rang hinter Grossbritannien und Polen. «Das erste Rennen verlief zwar nicht optimal, aber es hatte auch gute Abschnitte drin, auf welchen wir aufbauen können. Das Ziel ist es, morgen einen Schritt nach vorne zu machen.» Das Boot rudert im Hoffnungslauf um den Einzug in den A-Final. Die ersten beiden Boote werden sich für die Medaillenrennen vom Samstagmittag qualifizieren.
Männer-Doppelvierer: In den Halbfinal gespurtet
Kai Schätzle, Patrick Brunner, Nils Schneider und Dominic Condrau ruderten den heutigen Vorlauf wie aus einem Guss. Bis kurz vor der 1500-Meter-Marke lagen die Schweizer auf dem zweiten Zwischenrang hinter Luzern-Sieger Polen und lieferten sich mit Litauen einen harten Schlagabtausch. Bei der dritten Zwischenzeit schoben sich die Litauer um 0,13 Sekunden vor die Schweizer. Dies liessen die Schweizer aber nicht auf sich sitzen und eroberten mit der besten vierten Abschnittszeit ihren zweiten Rang zurück. «Das war einerseits mental gut, da wir Litauen in dieser Saison noch nie schlagen konnten», erklärte Patrick Brunner. «Der zweite Rang kann andererseits auch bei der Bahnzuteilung helfen.» Der Halbfinal, bei dem traditionell die ersten drei Boote in den A-Final kommen, findet am Freitagmittag statt.
Frauen-Doppelvierer: Vorlaufzweite hinter Grossbritannien
Pascale Walker, Lisa Lötscher, Salome Ulrich und Célia Dupré gelang heute ein Blitzstart. Aber gegen Grossbritannien, das wie eine Lokomotive vorne weg stampfte, fanden die Schweizerinnen kein Rezept. Die unberechenbaren Windböen und Wellen unterbrachen den Rhythmus des Schweizer Quartetts wiederholt. «Wir fanden zwar unsere Kompaktheit zwischenzeitlich wieder», erklärte Lisa Lötscher. Die Britinnen lagen da aber schon ausser Reichweite. Nur das Siegerboot qualifizierte sich direkt für den A-Final. «So entschlossen wir uns, auf den letzten Metern das Renntempo zu halten und nicht mehr zu spurten.» Der zweite Rang ist schon mal ein Vorgeschmack auf den Hoffnungslauf vom Freitagvormittag. «Der Vorlauf hat uns definitiv geweckt und hungrig gemacht auf mehr», freut sich Lisa Lötscher auf die nächste Gelegenheit, sich für den A-Final zu qualifizieren.
Frauen-Doppelzweier: Direkte Halbfinal-Qualifikation für Fabienne Schweizer und Nina Wettstein
Fabienne Schweizer und Nina Wettstein trafen im Vorlauf des Doppelzweiers mit den Niederlanden und Irland auf hochkarätige Konkurrenz. Die Schweizerinnen sicherten sich jedoch souverän den dritten Rang und qualifizierten sich damit für den Halbfinal. Mit diesem guten Rennen verwiesen sie die Konkurrentinnen aus Ungarn in den Hoffnungslauf.
Im Doppelzweier der Leichtgewichte erwischten Frédérique Rol und Patricia Merz nicht den besten Start. «Wir hatten auf den ersten 500 Metern des Vorlaufs Mühe in den Rhythmus zu kommen», erklärte Patricia Merz. «Den Kontakt zu den vordersten Booten konnten wir nicht mehr herstellen.» Die Schweizerinnen belegten schliesslich den vierten Rang und rudern am Freitag im Hoffnungslauf, in dem nur die ersten beiden Boote das Finalticket holen werden.
Mit dem Vorpreschen beiden starken Olympioniken Melvin Tewellaar (NED) und Graeme Thomas (GBR) waren die Karten im Vorlauf des Männer-Einers relativ früh gegen Scott Bärlocher gemischt worden. Er belegte hinter den beiden den dritten Rang und wird versuchen, sich nun über den Hoffnungslauf für den Halbfinal aufzudrängen. Zwei Mal, im Vorlauf und im Hoffnungslauf, belegten Jonah Plock und Maurin Lange heute im Zweier ohne Steuermann den fünften Rang. Damit rudert das Duo am Freitagmittag im C-Final um die Ränge 13-18.
Resultate Vorläufe EM-München vom Donnerstag, 11.08.2022:
Frauen
Einer Frauen Leichtgewichte (LW1x)
1. Martine Veldhuis (NED) 08:30.92; 2. Eline Rol (SUI) 08:37.94 (=> Hoffnungslauf); 3. Aurelie Morizot (FRA) 08:43.48; 4. Aoife Casey (IRL) 08:47.61; 5. Madeleine Arlett (GBR) 08:51.26; 6. Dora Dragicevic (CRO) 08:56.35
Einer Frauen (W1x)
1. Evangelia Anastasiadou (GRE) 08:43.50; 2. Jeannine Gmelin (SUI) 08:44.05 (=> Halbfinal); 3. Siri Eva Kristiansen (NOR) 08:50.12; 4. Alexandra Foester (GER) 09:13.83; Nina Kostanjsek (SLO) 09:21.61
Doppelzweier Frauen Leichtgewichte (LW2x)
1. Imogen Grant / Emily Craig (GBR) 07:42.44; 2. Margaret Cremen / Lydia Heaphy (IRL) 07:53.78; 3. Zuzanna Jasinska / Katarzyna Welna (POL) 07:55.66; 4. Frédérique Rol / Patricia Merz (SUI) 07:58.89 (=> Hoffnungslauf); 5. Johanna Reichardt / Marion Reichardt (GER) 08:03.89; 6. Ana Navarro / Rocio Lao Sanchez (ESP) 08:10.25
Doppelzweier Frauen (W2x)
1. Laila Youssifou / Roos De Jong (NED) 07:43.89; 2. Zoe Hyde / Sanita Puspure (IRL) 07:47.02; 3. Fabienne Schweizer / Nina Wettstein (SUI) 07:59.72 (=> Halbfinal); 4. Eszter Kremer / Vivien Preil (HUN) 08:21.17
Doppelvierer Frauen (W4x)
1. Grossbritannien 07:09.73; 2. Schweiz (Pascale Walker, Lisa Lötscher, Salome Ulrich, Célia Dupré) 07:20.32 (=> Hoffnungslauf); 3. Italien 07:33.14; 4.Rumänien 07:41.94
Männer
Einer Männer Leichtgewichte (LM1x)
1. Rajko Hrvat (SLO) 07:43.14; 2. Andri Struzina (SUI) 07:46.98 (=> Halbfinal); 3. Julian Schoeberl (AUT) 07:51.43; 4. Oskar Soedal (NOR) 08:06.10
Einer Männer (M1x)
1. Melvin Twellaar (NED) 08:03.10; 2. Graeme Thomas (GBR) 08:17.09; 3. Scott Bärlocher (SUI) 08:21.62 (=> Hoffnungslauf); 4. Andrei Jamsa (EST) 08:32.71
Doppelzweier Männer Leichtgewichte (LM2x)
1. Paul O'Donovan / Fintan Mc Carthy (IRL) 07:02.52; 2. Raphaël Ahumada / Jan Schäuble (SUI) 07:08.45 (=> Hoffnungslauf); 3. Miroslav Vrastil / Jiri Simanek (CZE) 07:12.71; 4. Dale Flockhart / Jamie Copus (GBR) 07:18.52; 5. Caetano Horta Pombo / Manel Balastegui (ESP) 07:22.01 ; 6. Igor Khmara / Stanislav Kovalov (UKR) 07:25.55
Zweier ohne Steuermann Männer (M2-)
1. Milos Vasic / Martin Mackovic (SRB) 07:11.17; 2. Alfonso Scalzone / Giovanni Abagnale (ITA) 07:14.03; 3. Nik Krebs / Jaka Cas (SLO) 07:18.17; 4. Esteban Catoul / Etienne Juillet (FRA) 07:24.63; 5. Jonah Plock / Maurin Lange (SUI) 07:30.81 (=> Hoffnungslauf)
Hoffnungslauf
1. Alexandru Masnic / Chirill Visotchi-Sestacov (MDA) 07:14.25; 2. Bruno Bachmair / Christoph Seifriedsberger (AUT) 07:18.61; 3. Bela Simon / Adrian Juhasz (HUN) 07:18.93; 4. Esteban Catoul / Etienne Juillet (FRA) 07:24.24; 5. Jonah Plock / Maurin Lange (SUI) 07:25.77 (=> C-Final); 6. Aydin Sahin / Kaan Aydin (TUR) 07:40.68
Vierer ohne Steuermann Männer (M4-)
1. Grossbritannien 06:32.26; 2. Polen 06:36.01; 3. Schweiz (Andrin Gulich, Roman Röösli, Tim Roth, Joel Schürch) 06:37.48 (=> Hoffnungslauf); 4. Deutschland 06:46.39; 5. Italien 06:49.59; 6. Österreich 06:54.46
Doppelvierer Männer (M4x)
1. Polen 06:22.99; 2. Schweiz (Kai Schätzle, Patrick Brunner, Nils Schneider, Dominic Condrau) 06:27.59 (=> Halbfinal); 3. Litauen 06:29.95; 4. Estland 06:41.64; 5. Norwegen 06:46.26
Startzeiten Schweizer Boote am Freitag, 12.08.2022
09.00h; W2x; Fabienne Schweizer / Nina Wettstein (Halbfinal: 1.-3. A-Final, 4.-6. B-Final)
09.30h; W4x; Pascale Walker, Lisa Lötscher, Salome Ulrich, Célia Dupré (Hoffnungslauf: 1.-4. A-Final, 5.. B-Final)
09.36h; LW1x; Eline Rol (Hoffnungslauf: 1.+2. A-Final, 3.. B-Final)
10.06h; LW2x; Frédérique Rol / Patricia Merz (Hoffnungslauf: 1.+2. A-Final, 3.. B-Final)
10.12h; LM2x; Raphaël Ahumada / Jan Schäuble (Hoffnungslauf: 1.+2. A-Final, 3.. B-Final)
10.42h; M1x; Scott Bärlocher (Hoffnungslauf 2: 1.+2. SA/B, 3.. SC/D)
11.02h; M4-; Andrin Gulich, Roman Röösli, Tim Roth, Joel Schürch (Hoffnungslauf: 1.+2. A-Final, 3. B-Final)
11.15h; M2-; Jonah Plock / Maurin Lange (C-Final; EM-Ränge 13-18)
11.45h: M4x; Kai Schätzle, Patrick Brunner, Nils Schneider, Dominic Condrau (Halbfinal: 1.-3. A-Final, 4.-6. B-Final)
11.08.2022 / vdg / 19.30h