WM-Vorschau: Acht Schweizer Boote in Linz am Start

WM-Vorschau: Acht Schweizer Boote in Linz am Start

Artikel - WM-Vorschau: Acht Schweizer Boote in Linz am Start

Acht Schweizer Boote stellen sich an der Ruder-WM in Linz-Ottensheim einer Rekordzahl von 1200 Teilnehmenden aus 80 Nationen. Oberste Zielsetzung des Verbandes SWISS ROWING ist der Gewinn von drei Quotenplätzen für die Olympischen Spiele in Tokio.

Die grosse Anzahl an Nationen und WM-Teilnehmenden ist symptomatisch für eine vorolympische Weltmeisterschaft, an der die meisten der heiss begehrten Olympia-Quotenplätze vergeben werden. «Auch SWISS ROWING möchte sich frühestmöglich Klarheit und damit Planungssicherheit verschaffen, in welchen Bootskategorien die Schweiz in Tokio 2020 vertreten sein wird», erklärt Verbandsdirektor Christian Stofer. Wer nach der WM seinen Olympia-Startplatz nicht auf sicher hat, kommt unter Druck. Denn gerade mal zwei Plätze pro Bootsklasse werden bei einer finalen Qualifikationsregatta eine Woche vor dem Weltcupfinal im Mai 2020 auf dem Luzerner Rotsee noch vergeben.  

Ambitionen im Männer-Doppelzweier und Fraueneiner

Neben Olympia-Quotenplätzen geht es an der WM in Linz natürlich auch um Medaillen. Drei Silbermedaillen holte die Schweiz an der letztjährigen WM in Plovdiv (Bulgarien). Erneut mit berechtigten Medaillenhoffnungen stehen in Linz Roman Röösli (SC Sempach) und Barnabé Delarze (Lausanne Sports Aviron) im Doppelzweier sowie Jeannine Gmelin (RC Uster) im Fraueneiner im Einsatz. Nicht mehr am Start ist Michael Schmid (SC Luzern), der im vergangenen Jahr im Leichtgewichtseiner ebenfalls Vize-Weltmeister geworden war. Er wechselte zu den Schwergewichten und nahm sich nach gesundheitlichen Problemen eine Auszeit vom Rudern. 

Sowohl der Doppelzweier Roman Röösli / Barnabé Delarze als auch Jeannine Gmelin im Einer überzeugten in der bisherigen Saison auf Top-Niveau. «Es wird sich zeigen, welche Entwicklungsschritte wir im Vergleich zu unseren Konkurrenten in den letzten sechs Wochen noch machen konnten», ordnet Roman Röösli die Ausgangslage ein. «Alles startet wieder bei null.» Gemeinsam mit Barnabé Delarze bewies er indessen mit zwei Weltcupsiegen (Poznan (PL) und Rotterdam (NL)), dass das Team selbst in engsten Finalrennen die Oberhand gewinnen kann. «Die Erfolge in dieser Saison sind der Lohn für jahrelange harte Arbeit», sagt Barnabé Delarze. 31 Boote kämpfen im Männer-Doppelzweier der offenen Gewichtsklasse um einen Finalplatz. Im Männer-Doppelzweier werden für die besten elf Boote Quotenplätze vergeben. 

In Absprache mit SWISS ROWING konzentrierte sich Jeannine Gmelin in dieser Saison auf eine Auswahl von internationalen Einsätzen im Fraueneiner. An der EM in Luzern errang sie hinter der amtierenden Weltmeisterin Sanita Puspure (Irland) die Silbermedaille. Nach dem Weltcup in Rotterdam, bei dem sie hinter der Neuseeländerin Emma Twigg den zweiten Rang belegt hatte, bereitete sie sich separat mit diversen Sparringpartnern auf die anstehende WM vor. «Auf dem Klöntalersee sowie zum Abschluss in Zagreb (Kroatien) arbeitete ich vor allem an der Technik und Spritzigkeit», sagt Jeannine Gmelin. Die bereits genannten Sanita Puspure und Emma Twigg, aber auch Carling Zeeman aus Kanada sowie nicht zuletzt die österreichische Lokalmatadorin Magdalena Lobnig werden auf dem Weg zum WM-Podest zu Jeannine Gmelins grössten Konkurrentinnen zählen. Den Top 9-Booten im Fraueneiner wird zudem ein Quotenplatz zugesprochen. 

Leichter Doppelzweier der Frauen: im Kreis der Medaillenkandidatinnen

In der einzigen olympischen Bootsklasse für Leichtgewichte ist das Teilnehmerfeld im vorolympischen Jahr ebenfalls enorm. Unter den 28 gemeldeten Booten dürften in diesem Jahr aber die zweifachen Weltcupsiegerinnen Zoe McBride / Jackie Kiddle aus Neuseeland der wirkliche Gradmesser sein - auch für Frédérique Rol (Lausanne Sports Aviron) und Patricia Merz (SC Zug). Das Schweizer Duo relativiert hingegen den Blick auf die Konkurrenz. «Je mehr wir uns auf uns selber konzentrieren, desto besser läuft es uns», sind die beiden überzeugt. Letztes Jahr verpassten Rol / Merz in Plovdiv das Podest als Vierte nur knapp. Nach zwei Mal EM-Bronze (2018 und 2019) sowie Bronze beim letzten Weltcup in Rotterdam dürfen die beiden auch in diesem Jahr zum Kreis der Medaillenkandidatinnen gezählt werden. Im leichten Doppelzweier wird den besten sieben Booten ein olympischer Quotenplatz zuteil.  

Neuer Frauen-Doppelzweier in der offenen Kategorie

Der Frauen-Doppelzweier der offenen Gewichtsklasse war nach der EM in Luzern aufgelöst worden. Valérie Rosset beendete daraufhin ihre internationale Ruderkarriere. Pascale Walker (RC Zürich) zeigte derweil im Fraueneiner mit zwei siebten Plätzen an den Weltcups in Poznan und Rotterdam starke Resultate. Zudem zeichnete sich im Nachwuchsbereich eine interessante Lösung ab. Sofia Meakin (CA Vésenaz), U23-Weltmeisterin im leichten Doppelzweier, entschloss sich zum Gewichtswechsel und wurde vom Verband für die WM im Doppelzweier selektioniert. Die neue Bootscrew hat inzwischen rund 600 gemeinsame Kilometer gerudert und möchte für die Schweiz nach Möglichkeit den Olympia-Quotenplatz sichern. Ein Rang unter den elf besten Booten ist dazu nötig. «Die WM wird eine spannende Erfahrung. Wir sind hochmotiviert und haben nichts zu verlieren», freut sich Pascale Walker auf die Herausforderung. 

Neue alte Bootsbesetzung im leichten Doppelzweier der Männer

Ebenfalls hochmotiviert freuen sich Andri Struzina (SC Zug) und Fiorin Rüedi (Grasshopper Club Zürich) auf den WM-Start im leichten Doppelzweier. Zwei Monate Bootspause waren für Andri Struzina als leistungsstärksten Schweizer Leichtgewichtsruderer eine harte und lehrreiche Zeit. Drei Wochen vor der Heim-EM in Luzern wurde beim Zuger ein Rippenbruch diagnostiziert. Viele einsame Trainings im verbandseigenen Kraftraum später konnte er Mitte Juli wieder zurück ins Boot steigen. «Wir sind heute technisch und physisch eindeutig weiter wie im Mai, als die Verletzung passierte», fasst sein Teamkollege Fiorin Rüedi zusammen. Was den beiden allerdings fehlt, ist der Direktvergleich mit der Konkurrenz im leichten Doppelzweier. Darum liess Headcoach Edouard Blanc die beiden Leichtgewichte in den letzten Wochen immer wieder gegen den schweren Doppelzweier mit Roman Röösli und Barnabé Delarze antreten. «So können wir unser Leistungsvermögen besser einordnen», sagt Andri Struzina und ist zuversichtlich. Für einen Olympia-Quotenplatz muss sich der leichte Doppelzweier unter den besten sieben Booten klassieren.

Nico Stahlberg im Männereiner: 9. Rang würde die Olympia-Quote erfüllen

Seit drei Jahren gehört Nico Stahlberg (RC Kreuzlingen) zu den zehn besten Ruderern im Männereiner. Seine Stabilität auf Top-Niveau ist beachtlich. Mit Akribie arbeitet er daran alle Puzzleteile so zusammenzupassen, um sich Rang für Rang zu verbessern. «In den letzten Tagen vor der WM habe ich weiter an meiner Konstanz bei hoher Schlagzahl gearbeitet.» Er visiert einen Rang unter den besten neun Booten an, was ihm den Quotenplatz einbringen und ihn einen wichtigen Schritt näher an die Olympischen Spiele in Tokio bringen würde. 

Vierer-ohne: Entwicklungsschritte in Richtung Olympia 

Als Olympia-Projekt vor zwei Jahren gestartet, geniesst der Vierer ohne Steuermann mit Joel Schürch (SC Sursee), Augustin Maillefer (Lausanne Sports Aviron), Paul Jacquot (SC Zürich) und Markus Kessler (RC Schaffhausen) eine erhöhte Aufmerksamkeit. Schritt für Schritt entwickelte sich das Boot in den vergangenen zwei Rudersaisons weiter und nährt die Hoffnung auf eine erneute Olympiateilnahme eines Schweizer Grossboots. Die junge Crew ist vor allem im Rahmen der letzten beiden Weltcups an Unwägbarkeiten gewachsen und nähert sich kontinuierlich den Booten aus traditionellen Riemennationen. Nur drei Hundertstel trennten die Schweizer beim Weltcup in Poznan vom achten Gesamtrang. Dieses Weltcup-Rennen galt bei vielen Nationen als Generalprobe für die WM, an welcher der achte Rang im Vierer-ohne das letzte Olympia-Ticket bedeuten wird.

Im Leichtgewichtseiner tritt Jan Schäuble (SC Stansstad) in grosse Schuhstapfen. Nachdem Michael Schmid wegen seines Gewichtswechsels seinen Vize-Weltmeistertitel nicht verteidigen wird, selektionierte der Verband im leichten Einer den erst 19-jährigen, aber vielversprechenden Nachwuchsruderer. Dass er ein Versprechen für die Zukunft sein könnte, zeigte Schäuble mit seinem siebten Rang im leichten Einer an der Heim-EM in Luzern sowie mit Bronze an der U23-WM im leichten Doppelzweier. 32 Boote haben sich im Leichtgewichtseiner eingeschrieben. 

Meldeergebnis der Ruder-WM in Linz-Ottensheim (25.8.-1.9.2019)

Provisorisches WM-Programm (Stand 14.8.)