WM Amsterdam: Claire Ghiringhelli steht im A-Final, Frauen-Doppelvierer verpasst die Medaillenrunde

Tag vier der Weltmeisterschaften in Amsterdam bot für Fans des Schweizer Ruderteams erneut eine Achterbahn der Gefühle. Während sich Pararuderin Claire Ghiringhelli souverän für den A-Final qualifizierte, erlebten die Europameisterinnen im Doppelvierer nach ihrem vielversprechenden Einstand in die Regatta heute einen schweren Rückschlag und verpassten mit Rang vier das Rennen um die Medaillen. Der Doppelvierer der Männer beendete seinerseits die Regatta im C-Final mit Gesamtrang 17.

Am heutigen Wettkampftag bewahrheitete sich die Weisheit, dass jedes Rennen bei Null beginnt und auf Spitzenniveau zu jeder Zeit alles zusammenpassen muss, um Topresultate zu erzielen. Trotz eines guten Rennens im Halbfinal gelang dem Doppelvierer der Frauen heute nicht das Glanzstück der jüngsten Rennen und der Traum von der Medaille platzte, wie schon tags zuvor beim Zweier ohne Steuermann der Männer, den letztjährigen Bronzemedaillengewinnern. 
Anders lief es für Claire Ghiringhelli, die im Para Einer einen sicheren zweiten Rang einfuhr und damit im A-Final steht. 
Mit Rang fünf in einem engagiert gefahrenen und engen C-Final beendete der Doppelvierer der Männer die Regatta.


Rennberichte
Halbfinals
Frauen-Doppelvierer
1. USA2. ROU, 3. GER, 4. SUI, 5. FRA, 6. CAN 
Der Doppelvierer der Frauen startete nach drei in Serie gewonnenen Rennen mit einer hervorragenden Prognose in diesen Halbfinal. Auf die USA waren Lisa Lötscher (Seeclub Luzern), Célia Dupré (Club Aviron Vésenaz), Flavia Lötscher (Seeclub Luzern) und Nina Wettstein (Seeclub Stäfa) schon im Vorlauf getroffen und hatten sie hier hinter sich gelassen. Lediglich die Niederländerinnen, die heute im anderen Halbfinal standen, hatten im Vorlauf eine schnellere Zeit hingelegt. 
Es waren die Rumäninnen, die als Schnellste ins Rennen starteten. Die anderen fünf Boote reihten sich dahinter praktisch auf einer Linie auf. Als nächste waren es die USA, die sich aus dem Pulk lösen konnten und etwas Luft gewannen. Das Schweizer Boot ging Bug an Bug mit den Deutschen über den Kurs, mit denen sie schon of in enge Entscheidungen verwickelt waren. Vorne schoben sich die USA an den Rumäninnen vorbei, während die Deutschen einen leichten Vorsprung auf die Schweizerinnen gewinnen konnten. Kanada hingegen verlor über die Mitte am meisten Meter und rutschte hinter Frankreich auf Rang sechs zurück. Die Sprintstärke der Schweizerinnen liess hoffen, doch auch der Wind auf der Bahn schien erneut einen Einfluss zu haben, und der deutsche Schlussspurt kam aus der besseren Ausgangposition heraus. So musste sich das Team um Lisa Lötscher heute hinter den USA, Rumänien und Deutschland mit dem vierten Rang begnügen und rudert am Samstag im B-Final nicht mehr um die Medaillen. 


Vorläufe
Para Frauen-Einer
1. UKR, 2. SUI, 3. EGY, 4. ITA 5. CHN
Die klare Favoritin auf den Sieg war im Vorlauf der Para Frauen-Einer heute die amtierende Welt- und Europameisterin Anna Sheremet aus der Ukraine. Auf die Chinesin Lili Wang war Claire Ghiringhelli (Società Canottieri Locarno) zuletzt an den Paralympischen Spielen 2024 getroffen, wo die Chinesin eine bessere Platzierung erreichte. Die weiteren Starterinnen waren Debütantinnen auf der internationalen Ruderbühne aus Ägypten und Italien, die zuvor in anderen Sportarten aktiv gewesen waren.
Erwartungsgemäss setzte sich Sheremet früh an die Spitze des Feldes, gefolgt von Claire Ghiringhelli. Der Schweizerin war der Start nicht optimal gelungen, doch über die Strecke fand sie zu einem stabilen Rhythmus. Auch die weiteren Plätze klärten sich früh. Am Besten konnte zu Beginn die Ägypterin an Ghiringhelli dranbleiben. Über die Mitte fiel aber auch sie zurück. Die Chinesin konnte heute nicht an frühere Erfolge anknüpfen und fiel schon sehr früh zurück auf den letzten Rang. Die Reihenfolge von der Startphase bis ins Ziel lautete damit Ukraine vor der Schweiz, Ägypten, Italien und China. Claire Ghiringhelli qualifizierte sich damit auf dem direkten Weg für den A-Final. 


C-Final
Männer-Doppelvierer
1. AIN2, 2. UKR, 3. EST, 4. AIN1, 5. SUI, 6. IND
Zum letzten Rennen an dieser WM trat heute der Doppelvierer der Männer an. Maurin Lange (Seeclub Luzern), Raphaël Ahumada (Forward Rowing Club Morges), Bojan Reuffurth (Seeclub Zug) und Donat Vonder Mühll (Grasshopper Club Zürich) standen im C-Final und wollten auch hier nochmal ein gutes Rennen realisieren. 
Als einzigem gelang es einem der beiden Boote mit neutralen Athleten (AIN2), sich früh um eine Länge vom Feld abzusetzen. Ihren Vorsprung retteten sie am Schluss auch knapp ins Ziel. Alle weiteren fünf Boote bewegten sich praktisch gleichauf über die erste Streckenhälfte – ein Bord-an-Bord-Kampf um die Ränge 14 bis 18. Auf der zweiten Streckenhälfte fielen zuerst die Inder etwas zurück, während sich die Esten vom letzten Rang aus begannen nach vorne zu arbeiten. Die Schweizer sah man für eine Weile knapp auf dem vierten Rang, während sich das zweite Boot mit neutralen Athleten (AIN1) und die Ukraine Richtung Spitze orientierten. Im finalen Gerangel zog die Ukraine auf den zweiten Rang vor und die Esten an den Schweizern und dem zweiten neutralen Boot vorbei auf den dritten Rang. Für die Schweizer blieb der fünfte Rang vor den Indern und damit Gesamtrang 17.


Amsterdam, 27. August 2026 / NS

Bilder WM Amsterdam, 27. August 2026 (Detlev Seyb/Maren Derlien)