Umgang mit Unwägbarkeiten macht das Boot stärker

Umgang mit Unwägbarkeiten macht das Boot stärker

Artikel - Umgang mit Unwägbarkeiten macht das Boot stärker

Klassiert sich der Vierer-ohne an der WM in den Top-8, würde dies ein Olympia-Quotenplatz bedeuten. In den letzten Weltcups bewiesen Joel Schürch, Augustin Maillefer, Paul Jacquot und Markus Kessler, dass sie ganz nah dran sind. Jetzt müssen sie noch einen Zacken zulegen.

Die Entwicklung eines Mannschaftsboots hängt stark davon ab, wie das Team mit Unwägbarkeiten umgeht. Grosse Vorteile hat eine Crew, die rasch adaptieren kann und vielseitig einsetzbar ist. Genau solche Resilienz bewies der Schweizer Vierer-ohne an den letzten beiden Weltcups in Poznan und Rotterdam auf eindrückliche Art und Weise. 

Eine suboptimale Vorbereitung technischer Natur sorgte im Team zum Start des Weltcups in Poznan für Irritationen. Sie schafften es jedoch, den Fokus zurück ins Boot zu leiten und qualifizierten sich für den B-Final. Das Rennen um die Ränge 7-12 gewann Deutschland. Dahinter aber klassierten sich die Boote aus Weissrussland, der Schweiz, Österreich und USA2 innerhalb von gerade mal 68 Hundertstelsekunden. Das Schweizer Boot wurde mit 3 Hundertstel Rückstand auf Weissrussland Dritter, somit Gesamtneunter und tankte eine gesunde Portion Moral. «Das war wohl eines unserer besten Rennen bisher und hat uns viel Vertrauen gegeben», sagt Markus Kessler. 

Eine weitere Herausforderung galt es beim letzten Weltcup in Rotterdam zu meistern. Schlagmann Augustin Maillefer ruderte gesundheitlich angeschlagen. Das Team schaffte zwar die Qualifikation für den B-Final, musste aber in der Nacht auf den Finaltag einsehen, dass Maillefer kein weiteres Rennen mehr zugemutet werden konnte. Leichtgewicht Fiorin Rüedi, der am Samstag im A-Final des leichten Einers den guten fünften Rang errungen hatte, wurde kurzfristig als Ersatzmann eingesetzt. Joel Schürch rückte als Schlagmann zwei Plätze vor, Rüedi nahm direkt dahinter Platz, Paul Jacquot rutschte einen Platz nach hinten. Einzig Markus Kesslers Sitzplatz im Bug blieb unverändert. Vor diesem Hintergrund war der fünfte Rang und somit 11. Gesamtrang ein Achtungserfolg. Markus Kessler: «Rotterdam gab uns die Gewissheit, dass wir auch gute Rennen rudern können, wenn die Voraussetzungen nicht perfekt sind.» 

Joel Schürch übernimmt nun auch an der WM in Linz die Rolle des Schlagmanns. Augustin Maillefer rudert direkt hinter ihm. «In den hohen Schlagzahlen läuft unser Boot inzwischen richtig gut», sagt Markus Kessler. «An der WM wird es genau auf diese hohen Schläge ankommen.» 

Ein Rang unter den besten acht Booten würde dem Team das Olympia-Ticket sichern. Insgesamt 22 Nationen verfolgen an der WM in Linz im Vierer ohne Steuermann aber dasselbe Ziel. 14 Boote muss die Schweizer Crew also hinter sich lassen. Ein Weg mit vielen Unwägbarkeiten – für alle Boote. Ein Vorteil hat darum, wer weiss, dass er damit gut umgehen kann.