Ruderboot und Zweimaster: Wanderfahrt Amsterdam
Artikel - Ruderboot und Zweimaster: Wanderfahrt Amsterdam
Vom 22. bis zum 26. April 2026 nahmen elf Schweizer Ruderinnen und Ruderer die Gelegenheit wahr, die Wasserstrassen rund um Amsterdam vom Boot aus kennenzulernen. Und das in zweifachem Sinne: Denn nicht nur dienten Boote als Fortbewegungsmittel auf dem Wasser, sondern zugleich auch als aussergewöhnliche Unterkunft für die Nacht. Initiiert wurde die Wanderfahrt von Frank ter Voorde und Christian Frei, die ihre langjährige Erfahrung und ihre engen Verbindungen vor Ort einbringen konnten.
Im Folgenden nimmt Euch ein ausführlicher Bericht der Organisatoren mit auf die Tour – ergänzt durch persönliche Eindrücke und Stimmen der Teilnehmenden:
„Am 22. April checkten alle elf Teilnehmer auf dem Zweimaster Avontuur, unserem begleitenden Hotel-Schiff, am Pontsteiger in Amsterdam ein. Nach einem ersten köstlichen Nachtessen von Hariett führte uns unser Skipper Wamme bei einer Stadtführung zu Fuss quer durch Amsterdam.
1. Tag: Am ersten Tag ruderten wir von Amsterdam nach Loenen. Am Mittag hielten wir für unser Mittagessen in Ouderkerk a/d Amstel. Der Wind kam an diesem Tage von hinten, daher schafften wir die 34 km gemütlich. Ebenfalls durften wir neben ein paar tiefen Brücken auch zwei Schleusen passieren. Auf unserer Avontuur erwartete uns am Abend in Loenen ein Apero. Und nach dem Essen machten wir noch einen Spaziergang durch Loenen.
2. Tag: Heute bremste uns der Wind auf unserem Weg nach Muiden. Daher machten wir auf unseren 24 km auch heute unterwegs eine Pause in einem Restaurant. Unterwegs überholte uns die Avontuur so dass wir nach der Schleuse des Tages bereits nachmittags um 15.00 Uhr auf unsere Tour anstossen konnten. Danach war der Tag noch nicht gelaufen, sondern wir fuhren mit der Avontuur raus aufs IJsselmeer und setzten die Segel. Unter Segeln umrundeten wir die Insel Pampus und waren nach zwei Stunden zurück in Muiden. Wiederum war ein super Nachtessen für uns bereit, so dass wir danach für unsere Stadtführung wieder bei Kräften waren.
3. Tag: Heute ging es wieder südwärts und der Wind kam von hinten. Für den Mittagshalt in Abcoude musste wir zum zweiten Mal den Amsterdam Rijnkanaal kreuzen. Die Frachtschiffe produzieren richtig Wellen und sind sehr schnell unterwegs. Dies konnte unseren breiten Wherries aber nichts anhaben.
Danach ruderten wir auf sehr schmalen Kanälen durchs Grüne. Auf einer Strecke von ca. 100 m im Dorf Abcoude konnten wir nur mit einem Ruder rudern und mussten uns mit unseren Paddeln behelfen.
Nach dem Mittag ging es gemütlich wieder zurück nach Amsterdam an den Pontsteiger. Nach dem Festmachen der Boote kam noch ein Viermaster der neben der Avontuur parken wollte. Die Skipperin bewegte das riesige Hotelboot in Milimeter Arbeit an den Quai Platz neben der Avontuur. Sehr eindrücklich. Die Stärkung mit Apéro und Nachtessen waren nach den 35 km Rudern sehr erholsam.
4.Tag: Auch am letzten Tag begleitete uns nach leichten Wolken am Morgen die Sonne den ganzen Tag. Wir ruderten quer durch Amsterdam und landeten nach 14.5 km beim Club Willem III. Dort gaben wir die Boote zurück und gingen zurück für eine letzte Mahlzeit und das Abschiednehmen auf die Avontuur.
Eindrücke der Teilnehmenden (ungekürzt):
Cornelia:
"Von Anfang an galt das Motto: Ankommen und Geniessen. Ob es nun der herzliche Empfang von Kapitän Wamme mit dem Matrosen Walter und unserer hervorragenden Köchin Harriet war oder die Begrüssung durch die Organisatoren Frank und Christian – wir fühlten uns sofort bestens aufgehoben.
Die Herausforderungen, denen wir uns täglich aufs Neue stellen mussten, waren das Einwassern der Boote, der Wind, die Sonne, viele Schleusen, hohe und niedrige Brücken, Gegenverkehr, Regattaveranstaltungen, das Anlegen und Auswassern und die Blasen an den Händen. Mit der Zeit wurden wir aber auch darin recht geschickt. Die täglichen Ruderkilometer wurden uns schliesslich durch Kaffeepausen mit Appeltaart versüsst.
Zur Abwechslung ging es dann auch mal mit dem Zweimaster Avontuur auf’s Meer. Den Wind, der uns beim Rudern das Leben so schwer gemacht hatte, konnten wir beim Segeltörn auf dem IJsselmeer nun gut nutzen.
Nach der täglichen Ruderfahrt wurden wir an Bord unseres Hotelschiffs mit einem üppigen Apéro riche empfangen. Bevor Harriet uns mit einem kulinarischen Festmahl verwöhnte, tauschten wir Fotos, Salben und Pflästerli aus.
Nach dem Abendessen ging es nochmals an Land. Kapitän Wamme erzählte uns auf unseren abendlichen Spaziergängen viel über die niederländische Geschichte und erklärte uns soziale, architektonische und historische Aspekte Amsterdams und der Umgebung. Das tat auch unseren sonst eher ungenutzten Muskeln gut. Wir kamen als interessierte und neugierige Ruderer zusammen und gingen als Ruderfreunde – ein Beweis für die gelungene Veranstaltung, ihre hervorragende Organisation und die harmonische Atmosphäre. Vielen Dank an alle Beteiligten. Wir kommen gerne wieder."
Ursula:
"Mir hat die Wanderfahrt sehr gut gefallen, obwohl ich anfangs bedenken hatte, wegen den zu rudernden Kilometern. Doch die Tage waren bestens organisiert und alles hat reibungslos geklappt.
Das Segelschiff war wunderschön, die Einzelkabine nahm ich sehr gerne an und die Kochkünste von Hariett waren 1a! Den Apéro auf Deck nach einem langen Rudertag habe ich sehr genossen.
Ein Highlight war sicherlich auch, als Walter die Segel gehisst hat. Mit dieser Einlage auf See habe ich nicht gerechnet. 😃 Die Abendspaziergänge mit Wamme zum Abschluss des Tages fand ich auch sehr nett. So konnten wir alle das feine Abendessen etwas verdauen und ein paar Eindrücke von der Umgebung erhaschen. Zum Glück haben das Wetter und die nette Rudergruppe gut mitgespielt. Es wird bestimmt nicht die letzte Wanderfahrt für mich gewesen sein.
Der einzige zu vergebende Minuspunkt ist für unser museumsreife Ruderboot."
Priska:
"Amsterdam rudernd erleben? Ich finde, es gibt keinen besseren Blick auf die von Wasserkanälen durchzogene Stadt und ihre Umgebung als beim gemütlichen Vorbeigleiten auf dem Wasser. Man kann schauen, staunen und fotografieren. Die Eindrücke waren nah, lebendig und authentisch – zum Beispiel der junge Vater, der uns gesehen hat, sein Kleinkind in die offene Tür gesetzt und lautstark ein holländisches Ruderlied gesungen hat. 😄
Den Tag durften wir auf einem wunderschönen Zweimaster bei leckerstem Essen, entspannter Atmosphäre und viel Gelächter ausklingen lassen. Was mir am besten gefallen hat? 🤔 Alles! Sogar das Wetter war uns wohlgesinnt."
Klaus:
"Neben dem tollen sozialen und kollegialen Teil, der das Wanderrudern eben auch ausmacht, haben mir am besten die vielfältigen Eindrücke von Holland, quasi aus der Froschperspektive, super gut gefallen. Wir haben Einblicke in Land, Leben und Natur entlang der Wasserwege erhalten, die man sonst nicht erhält. Diese Wanderfahrt, begleitet mit dem 5* Hotelboot und der 5* Crew/Köchin, wird bei mir und Johanna ganz sicher als eine der schönsten – wenn nicht sogar die schönste – in Erinnerung bleiben."
Nic:
"Wo beginnt man, wenn fast nichts mehr zu übertreffen ist? Schaut euch die glücklichen Gesichter auf den Fotos an. Elf beseelte Freunde für ein Halleluja: Kanäle, Brücken, ein paar Schleusen, Wohnboote, Seen, Rudern, Segeln, Steuern und ein tolles Regatta-Treiben. – Mittendrin wir, umsorgt und begleitet von Skipper, Köchin und Matrose. Die Rudersitze unserer Wherries quietschten um die Wette. Manchmal gegen arschkalte Bise, dann wieder an der wärmenden Sonne. Wir duckten uns unter 50 cm niedrigen Brücken durch, zogen in engen Kanälen die Ruder ein und waren am Abend nur noch müde und glücklich, wenn uns schon der Apéro auf unserem Wohnschiff erwartete."
Claudia:
"Es war die Kombination vieler stimmiger Faktoren, die in eine wunderschöne Wanderfahrt gemündet sind:
• Wanderrudern bei Sonnenschein, vor allem am dritten und vierten Tag
• schöne Landschaften, Häuser, Gärten, Dörfer und Städte unterwegs, insbesondere die altholländische Landschaft am dritten Tag und die Stadtlandschaft/das Rudern durch Amsterdam am vierten Tag
• Besuch ins Robs Ruderclub und die beiden Regatten auf der Amstel. Kennenlernen von Amsterdam als Ruderstadt, für mich eine neue Perspektive auf Amsterdam
• Abendspaziergänge mit Wamme
• vielfältiges, leckeres Essen
• familiäre Atmosphäre
• Teilen von Relive-Videos und Fotos
Aller guten Dinge waren in dem Fall also sieben oder sogar noch mehr."
Sarnen, 7. Mai 2026 / NS