«Ramer en Rose Zürich» – vom Gesundheitsprogramm zum eigenen Ruderclub

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«Ramer en Rose Zürich» – vom Gesundheitsprogramm zum eigenen Ruderclub

Artikel - «Ramer en Rose Zürich» – vom Gesundheitsprogramm zum eigenen Ruderclub

An ihrer Jahresversammlung haben die Delegierten der Schweizer Rudervereine kürzlich ein neues Mitglied in ihre Reihen aufgenommen: den Ruderclub «Ramer en Rose Zürich» (ReRZ). Wir stellen den Verein, der sich an Frauen mit einer Brustkrebserkrankung richtet, genauer vor und haben dafür seiner Mitgründerin und Präsidentin Marina De Rosa einige persönliche Fragen gestellt.

«Ramer en Rose» wurde ursprünglich als Gesundheitsprogramm ins Leben gerufen. (siehe auch Bericht im SWISS ROWING Magazin 3/23, S. 21) Die Initiative entstand im Rowing Club Lausanne, basierend auf einem Modell aus Kanada. Zuletzt wurde sie auch in anderen Schweizer Rudervereinen in Form von Kursen umgesetzt. Die Grundidee war ein Ruderprogramm, welches auf Frauen während oder nach der Brustkrebsbehandlung zugeschnitten ist. Aus den ersten erfolgreichen Schritten entwickelte sich schliesslich der neue Club «Ramer en Rose Zürich» (ReRZ).

Brustkrebs verändert das Leben der Betroffenen grundlegend – körperlich, emotional und sozial. Da jede achte Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs erkrankt, erschien es den Initiantinnen und Initianten von ReRZ erstrebenswert, betroffenen Frauen Unterstützung zu bieten und ein hilfreiches Angebot zu schaffen. Bewegung, Stabilität und menschlicher Kontakt sind bedeutsam während den belastenden Behandlungen. Es ist medizinisch erwiesen, dass sportliche Aktivität die unangenehmen Nebenwirkungen der Therapie mildert und die Beweglichkeit nach einer OP wiederherzustellen hilft. Zudem stärkt Bewegung das Immunsystem, fördert die Heilung und verringert das Risiko eines Rückfalls.

Marina De Rosa ist die Präsidentin von «Ramer en Rose Zürich». Sie hat das Programm in Lausanne kennengelernt. Wir haben sie nach ihren Beweggründen und Erfahrungen zur Vereinsgründung befragt:

SWISS ROWING: Marina, wie bist du zum Rudern gekommen und was bedeutet dieser Sport für dich?
Marina De Rosa: Als ich neu in Zürich angekommen war, suchte ich nach Orientierung, nach Begegnungen und meinem Platz in der mir noch unvertrauten Gesellschaft. Ich begann mit dem Rudern und sehr schnell wurde es zu meinem Zufluchtsort. Auf dem Wasser finde ich Ruhe, kann tief durchatmen und spüre eine starke Verbindung zur Natur und zu anderen Menschen. Dieser Sport und die Umgebung tun mir gut.

Gab es einen persönlichen Auslöser, der dich dazu bewegt hat, dich für die Initiative «Ramer en Rose» zu engagieren?
Die Begegnung mit Jean-Pierre Gervasoni, dem Koordinator von «Ramer en Rose» im Rowing Club Lausanne, im Jahr 2020 war entscheidend. Seine Begeisterung hat mich tief bewegt. Als Krankenschwester, die sich seit langem in der humanitären Hilfe in Afrika und für Menschen ohne Papiere in Zürich engagiert, war es mir ein Anliegen, eine freiwillige, nützliche und menschliche Initiative in der Deutschschweiz ins Leben zu rufen.

Was hat dich am meisten berührt, als du angefangen hast, mit Frauen mit Brustkrebs zu rudern?
Ihre Verletzlichkeit, gepaart mit einer unglaublichen Stärke. Manche kommen müde, manche besorgt, aber sobald sie ins Boot steigen, verändert sich etwas. Es gibt eine Würde, eine stille Solidarität, die mich bei jedem Training zutiefst bewegt.

Erinnerst du dich an den Moment, als dir klar wurde, dass diese Idee weiterentwickelt werden musste?
Bei einem Ausflug auf dem Wasser sah ich die Frauen nach dem Training zusammen lachen. Die einen waren erschöpft, die anderen voll Energie, aber alle waren glücklich. Sie halfen sich gegenseitig und ohne Worte zu brauchen spürten sie, was gut für die andere ist. In diesem Moment wusste ich, dass das, was wir zusammen erlebten, weit über den Sport hinausging.

Brustkrebs ist für viele Frauen eine tiefgreifende Veränderung. Warum ist es wichtig, genau dieses Problem anzugehen?
Weil diese Krankheit das Intimste trifft: den Körper, die Identität, die Weiblichkeit, das Selbstvertrauen und das Leben überhaupt. Einen Raum zu bieten, in dem Frauen sein können, wie sie sind, stark und verletzlich zugleich, in dem sie geborgen sind und verstanden werden, ohne sprechen zu müssen oder aber sie ihre Sorgen teilen und Rat holen können, ist für die Genesung unerlässlich.

Wann hast du erkannt, dass das, was wir hier tun, Leben verändert?
In dem Moment, in dem Frauen mitten in einer Chemotherapie zu mir sagen: «Das Rudern ist der Höhepunkt meiner Woche», wird mir alles klar und ich verstehe, dass das, was wir tun, ihr Leben und das ihrer Angehörigen verändert.
Einige Frauen sind noch sehr jung und andere älter, manche reisen von weit her an und viele opfern ihren einzigen freien Vormittag. Trotz der belastenden Behandlungen und Prognosen, der Müdigkeit und der Ängste finden sie auf dem Wasser einen Ort zum Durchatmen, zur Freiheit und zur Freude. Für einen Moment tritt die Krankheit in den Hintergrund und sie sind nicht Patientinnen, sondern starke Frauen, die zusammen in einem Boot sitzen und etwas neues Lernen.

Viele Frauen kommen wahrscheinlich mit einer gewissen Unsicherheit oder Angst zu ihrem ersten Training. Was erlebst du mit ihnen im Boot in diesen ersten Momenten?
Es gibt viele Emotionen. Angst, manchmal Tränen. Aber sehr schnell wird das Boot zu einem sicheren Ort. Der Rhythmus der Ruderschläge beruhigt, Vertrauen entsteht und die Blicke verändern sich.

Du begleitest diese Frauen über einen längeren Zeitraum. Kannst du beschreiben, was sich bei ihnen während dieser Zeit durch das Rudern verändert, körperlich, aber vor allem innerlich?
Sie richten sich auf, körperlich und innerlich. Sie lernen, ihrem Körper wieder zu vertrauen. Sie unterstützen sich gegenseitig und diese Solidarität wird zu einer echten Heilkraft. Es entstehen Freundschaften und es entwickeln sich Aktivitäten ausserhalb des gemeinsamen Ruderns.

Wenn du später auf die nächsten fünf Jahre zurückblickst, woran wirst du erkennen, dass sich dieses Engagement gelohnt hat?
Das Engagement ist schon heute sehr befriedigend. Und wenn ich in einigen Jahren feststelle, dass die Frauen weiterhin rudern und ihr Wissen neuen Patientinnen weitergeben, hat es sich wirklich gelohnt.
Die Tatsache, dass ReRZ heute Mitglied des Schweizer Ruderverbandes ist, ist ebenfalls eine wichtige Anerkennung: Das bedeutet, dass unser menschlicher, integrativer und ehrenamtlicher Ansatz seinen Platz in der grossen Familie des Schweizer Rudersports gefunden hat. Es ist ein Zeichen dafür, dass Sport wirklich im Dienst der Gesellschaft stehen kann.

Und was wünschst du dir für die Rudersportfamilie insgesamt?
Ich wünsche mir eine offene Rudersportfamilie, die solidarisch und sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst ist. Die Unterstützung des Club Aviron Romand Zürich (ARZ) war für den Start unseres Programms von entscheidender Bedeutung. Ohne die Offenheit, das Vertrauen und die konkrete Unterstützung des Clubs hätte das Projekt nicht realisiert werden können. ARZ hat gezeigt, dass Rudern viel mehr sein kann als nur ein Leistungssport: ein Ort der Inklusion, des Austauschs und der sozialen Verantwortung.

Von ebenso entscheidender Bedeutung ist das Engagement der zahlreichen freiwilligen Coaches. Mit ihrer Kompetenz, ihrer Verfügbarkeit und ihrem Wohlwollen bieten sie den Frauen ein sicheres und respektvolles Umfeld, das weit über das Erlernen der Technik hinausgeht. Ihre menschliche Art ist der Schlüssel zum Erfolg des Programms.
Weitere Clubs am Mythenquai (insbesondere RIZ, Belvoir, RCZ und GC) bieten ebenfalls wertvolle Hilfe. Es zeigt, dass die Clubs ihre Kräfte bündeln, ihre Infrastruktur teilen und gemeinsam an Projekten arbeiten können, die über rein sportliche Aktivitäten hinaus gehen. 

Die Zusammenarbeit basiert auf einem ausgewogenen Austausch von Vertrauen, Transparenz und gegenseitigen Gewinn. So erhalten die Clubs Anerkennung für ihr humanitäres Engagement und gewinnen neue Mitglieder. ReRZ konnte auch dank einer grosszügigen Spende von «Swiss Breast Care», einem Zentrum für Brustgesundheit in Zürich, den Kauf eines Bootes für den ARZ zu 50 % subventionieren. 

Ich wünsche mir, dass der Rudersport weiterhin für Solidarität, Offenheit und Engagement steht und ein Sport bleibt, der menschliche Initiativen im Dienst der Gesellschaft fördert.

>> Kontakt Ruderclub Ramer en Rose Zürich

 


Version française


« Ramer en Rose Zurich » – d'un programme de santé à un club d'aviron à part entière
Lors de leur assemblée générale annuelle, les délégués des clubs d'aviron suisses ont récemment accueilli un nouveau membre dans leurs rangs : le club d'aviron « Ramer en Rose Zurich » (ReRZ). Nous vous présentons plus en détail ce club destiné aux femmes atteintes d'un cancer du sein et avons posé quelques questions personnelles à sa cofondatrice et présidente, Marina De Rosa.

« Ramer en Rose » a été créé à l'origine comme un programme de santé. (voir aussi l'article dans le magazine SWISS ROWING 3/23, p. 21) L'initiative a vu le jour au Rowing Club Lausanne, sur la base d'un modèle canadien. Elle a récemment été mise en œuvre sous forme de cours dans d'autres clubs d'aviron suisses. L'idée de base était un programme d'aviron adapté aux femmes pendant ou après un traitement contre le cancer du sein. Les premiers pas couronnés de succès ont finalement donné naissance au nouveau club « Ramer en Rose Zürich » (ReRZ). 

Le cancer du sein change fondamentalement la vie des personnes touchées, tant sur le plan physique qu'émotionnel et social. Étant donné qu'une femme sur huit est atteinte d'un cancer du sein au cours de sa vie, les initiateurs de ReRZ ont jugé souhaitable d'offrir un soutien aux femmes touchées et de créer une offre utile. L'activité physique, la stabilité et le contact humain sont importants pendant les traitements éprouvants. Il est médicalement prouvé que l'activité sportive atténue les effets secondaires désagréables du traitement et aide à retrouver la mobilité après une opération. De plus, l'exercice physique renforce le système immunitaire, favorise la guérison et réduit le risque de récidive.

Marina De Rosa est la présidente de « Ramer en Rose Zürich » (ReRZ). Elle a découvert le programme à Lausanne. Nous lui avons demandé quelles étaient ses motivations et son expérience dans la création de l'association :

SWISS ROWING : Marina, comment as-tu découvert l'aviron et que signifie ce sport pour toi ?
Marina De Rosa : Lorsque je suis arrivée à Zurich, je cherchais à m'orienter, à faire des rencontres et à trouver ma place dans une société qui m'était encore inconnue. J'ai commencé l'aviron et très vite, cela est devenu mon refuge. Sur l'eau, je trouve la paix, je peux respirer profondément et je ressens un lien fort avec la nature et les autres. Ce sport et cet environnement me font du bien.

Y a-t-il eu un élément déclencheur personnel qui t'a poussée à t'engager dans l'initiative « Ramer en Rose » ?
Ma rencontre avec Jean-Pierre Gervasoni, coordinateur de « Ramer en Rose » à Lausanne, en 2020, a été décisive. Son enthousiasme m'a profondément touchée. En tant qu'infirmière engagée depuis longtemps dans l'aide humanitaire en Afrique et auprès des sans-papiers à Zurich, il me tenait à cœur de lancer une initiative bénévole, utile et humaine en Suisse alémanique.

Qu'est-ce qui t'a le plus touchée lorsque tu as commencé à ramer avec des femmes atteintes d'un cancer du sein ?
Leur vulnérabilité, associée à une force incroyable. Certaines arrivent fatiguées, d'autres inquiètes, mais dès qu'elles montent dans le bateau, quelque chose change. Il y a une dignité, une solidarité silencieuse qui me touche profondément à chaque entraînement.

Te souviens-tu du moment où tu as réalisé que cette idée devait être développée ?
Lors d'une sortie sur l'eau, j'ai vu les femmes rire ensemble après l'entraînement. Certaines étaient épuisées, d'autres pleines d'énergie, mais toutes étaient heureuses. Elles s'entraidaient et, sans avoir besoin de mots, elles sentaient ce qui était bon pour l'autre. À ce moment-là, j'ai su que ce que nous vivions ensemble allait bien au-delà du sport.

Le cancer du sein représente un changement profond pour beaucoup de femmes. Pourquoi est-il important d'aborder précisément ce problème ?
Parce que cette maladie touche ce qu'il y a de plus intime : le corps, l'identité, la féminité, la confiance en soi et la vie en général. Il est essentiel pour le rétablissement d'offrir un espace où les femmes peuvent être elles-mêmes, à la fois fortes et vulnérables, où elles se sentent en sécurité et comprises, sans avoir à parler, ou bien où elles peuvent partager leurs préoccupations et demander conseil.

Quand as-tu réalisé que ce que nous faisons ici changeait des vies ? 
Lorsque des femmes en pleine chimiothérapie me disent : « L'aviron est le moment fort de ma semaine », tout devient clair pour moi et je comprends que ce que nous faisons change leur vie et celle de leurs proches.
Certaines femmes sont encore très jeunes, d'autres plus âgées, certaines viennent de loin et beaucoup sacrifient leur seule matinée de libre. Malgré les traitements et les pronostics pénibles, la fatigue et les angoisses, elles trouvent sur l'eau un endroit où respirer, où elles sont libres et où elles peuvent se réjouir. Pendant un instant, la maladie passe au second plan et elles ne sont plus des patientes, mais des femmes fortes, assises ensemble dans un bateau et apprenant quelque chose de nouveau.

Beaucoup de femmes viennent probablement à leur premier entraînement avec une certaine incertitude ou une certaine peur. Que vis-tu avec elles dans le bateau pendant ces premiers instants ?
Il y a beaucoup d'émotions. De la peur, parfois des larmes. Mais très vite, le bateau devient un lieu sûr. Le rythme des coups de rame apaise, la confiance s'installe et les regards changent.

Tu accompagnes ces femmes sur une longue période. Peux-tu décrire ce qui change chez elles pendant cette période grâce à l'aviron, physiquement, mais surtout intérieurement ?
Elles se redressent, physiquement et intérieurement. Elles réapprennent à faire confiance à leur corps. Elles se soutiennent mutuellement et cette solidarité devient une véritable force de guérison. Des amitiés se nouent et des activités en dehors de l'aviron commun se développent.

Quand tu repenseras aux cinq prochaines années, à quoi reconnaîtras-tu que cet engagement en valait la peine ?
Cet engagement est déjà très satisfaisant aujourd'hui. Et si, dans quelques années, je constate que les femmes continuent à ramer et transmettent leur savoir à de nouvelles patientes, cela aura vraiment valu la peine.

Le fait que ReRZ soit aujourd'hui membre de la Fédération suisse d'aviron est également une reconnaissance importante : cela signifie que notre approche humaine, inclusive et bénévole a trouvé sa place dans la grande famille de l'aviron suisse. C'est le signe que le sport peut vraiment être au service de la société.

Et que souhaites-tu pour la famille de l'aviron dans son ensemble ?
Je souhaite une famille de l'aviron ouverte, solidaire et consciente de sa responsabilité sociale. Le soutien du Club Aviron Romand Zurich (ARZ) a été déterminant pour le lancement de notre programme. Sans l'ouverture d'esprit, la confiance et le soutien concret du club, le projet n'aurait pas pu voir le jour. L'ARZ a montré que l'aviron peut être bien plus qu'un simple sport de compétition : c'est un lieu d'inclusion, d'échange et de responsabilité sociale.

L'engagement des nombreux entraîneurs bénévoles est tout aussi crucial. Grâce à leur compétence, leur disponibilité et leur bienveillance, ils offrent aux femmes un environnement sûr et respectueux qui va bien au-delà de l'apprentissage de la technique. Leur rôle humain est la clé du succès du programme.

D'autres clubs du Mythenquai (notamment le RIZ, le Belvoir, le RCZ et le GC) apportent également une aide précieuse. Cela montre que les clubs peuvent unir leurs forces, partager leurs infrastructures et travailler ensemble sur des projets qui vont au-delà des activités purement sportives. 

La collaboration repose sur un échange équilibré entre confiance, transparence et bénéfice mutuel. Les clubs bénéficient ainsi d'une reconnaissance admirative pour leur engagement humanitaire et gagnent de nouveaux membres. Grâce à un don généreux de « Swiss Breast Care », un centre dédié à la santé mammaire à Zurich, ReRZ a pu subventionner à hauteur de 50 % l'achat d'un bateau pour l'ARZ.

Je souhaite que l'aviron continue à être synonyme de solidarité, d'ouverture et d'engagement et reste un sport qui encourage les initiatives humaines au service de la société.

>> Contact Ruderclub Ramer en Rose Zürich


Sarnen, 27. Januar 2026 / NS