Erste Hilfe bei Bootsschäden: Sechs Fragen an Daniel Zlinszky (Stämpfli Racing Boats)

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Erste Hilfe bei Bootsschäden: Sechs Fragen an Daniel Zlinszky (Stämpfli Racing Boats)

Artikel - Erste Hilfe bei Bootsschäden: Sechs Fragen an Daniel Zlinszky (Stämpfli Racing Boats)

Anfang März fand in Wollishofen bei der Stämpfli Racing Boats AG der jährliche Bootswartekurs von SWISS ROWING statt. Wiederum ging es für die Teilnehmenden um Materialkunde und den Unterhalt, inklusive kleinere Reparaturen an den Booten. Wir haben bei Stämpfli nachgefragt, was die häufigsten Bootsschäden sind und wie sich diese am besten verhindern bzw. in einem ersten Schritt versorgen lassen.

Kursleiter Daniel Zlinszky und seine Mitarbeiterin Lara Meier zeigten den Teilnehmenden beim diesjährigen Bootswartekurs an beiden Kurstagen die wichtigsten Arbeitsschritte und Materialien, um Rennboote in einem gutem Zustand zu halten. Daniel Zlinszky leitet die Stämpfli Bootsbau AG. Er ist bereits seit seiner Lehrzeit zum Bootsbauer bei Stämpfli und damit seit bald 30 Jahren im Unternehmen. Uns hat er ein paar Einblicke gegeben und Tipps verraten.
 

SWISS ROWING: Welche Art von Bootsschäden gibt es besonders oft? Wie kommen diese zustande?
Daniel Zlinszky (Stämpfli): Besonders häufig sehen wir Delaminationen (weiche Stellen/ Druckstellen) der einzelnen Bootshaut-Schichten wie auch Löcher durch eine oder mehrere Schichten. Dazu kommen Bruchstellen am Bug und Heck sowie Beschädigungen am Steven.
Delaminationen sind meistens als Dellen sichtbar. Diese entstehen durch grössere Krafteinwirkung von aussen wie unsanftes Anfahren an den Steg, Ablegen des Bootes in bzw. auf die Böcke. Auch zu tief eingestellte Schuhe können durch den Druck der Fersen auf die Bootswand Schäden verursachen. 
Grössere Schäden entstehen meist bei Kollisionen durch Nicht-Einhalten der Fahrordnung oder durch Kollisionen mit ankernden Booten und Fischern. Transportschäden kommen ebenfalls oft vor, beim Be- und Entladen oder auch beim Manövrieren des Trailers.  

Was würdet Ihr den Clubs und den RuderInnen als wichtigste Präventivmassnahmen mit an die Hand geben?
Mit einem gepflegten Boot wird besser und vorsichtiger umgegangen. Wir raten auch deshalb, die Boote immer gut zu reinigen, und auch regelmässig zu entkalken. Was das betrifft, dürfen wir auch immer wieder Überholungen von Booten durchführen, wo wir Schale/Decks/Cockpit neu lackieren, was das Erscheinungsbild auch von älteren Booten wieder deutlich verbessert und das Boot aufwertet.
Zum Club-Budget gehört auch ein Bereich für den Ersatz von Verschleissmaterial, wie Räder, Rollschienen etc. sowie für Überholungen von in die Jahre gekommenen Booten, dies erhöht die Freude am Rudern und den Genuss.
Helft den Bootswarten dabei, die die Sorgfaltspflicht durch- und umzusetzen. Wenn alle ihren Teil übernehmen, gelingt ein freundliches Miteinander am besten.
Wichtig ist es, nicht nur auf dem Wasser aufmerksam zu sein, sondern auch an Land während dem Handling des Bootes.

Was sind die bewährtesten Erste-Hilfe Massnahmen und Materialien bei kleinen Bootsschäden?
Information und Rückgrat. Die Boote werden in aktiven Clubs viel gebraucht und viel bewegt. Dies führt dazu, dass auch mal etwas passiert. Sofern es dabei keine Personenschäden gibt, ist es schon mal halb so wild und lediglich etwas aufwendig. Steht zu Euren Schäden und übernehmt die Verantwortung. Wenn Ihr nicht sicher seid, ob dem Boot etwas passiert ist, meldet es den Bootswarten und diese können nochmals drüber schauen oder uns anfragen.
Das wichtigste Werkzeug sind Augen, Licht, der Tastsinn und das Gehör. Diese helfen Euch, die möglichen Schäden zu entdecken. Wenn die Aussenhaut tatsächlich beschädigt ist, hilft vorerst ein PVC Klebeband, um Wassereinbruch in die Waben zu verhindern, bis das Boot zur Reparatur geht.

Wie viele "leichte" Bootsschäden bekommt Ihr als Reparaturauftrag? Solche, die jemand mit dem Know-how aus dem Bootswartekurs auch im Club beheben könnte?
Wir haben vergleichsweise wenige kleinere, unkompliziertere Schäden als grössere. Kleinere Schäden bekommen wir oft von Clubs, die eher nah sind, da der Transport weniger zeitaufwendig ist. Aber es gibt auch Clubs, die ihre kleineren Schäden regelmässig bei uns reparieren lassen, weil sie bei uns eine andere Qualität aufweisen als ‘vor-Ort-Reparaturen’. Wir können in der Werkstatt die Trocknungszeiten einhalten und bei optimalen Temperaturen arbeiten, was zu einem qualitativ hochwertigeren und damit langlebigeren Ergebnis führt. Zudem passen wir unsere Techniken immer wieder an, um mit der Zeit zu gehen und die Arbeiten schöner und leichter auszuführen.
Der Bootswartekurs soll den angehenden und bestehenden Kursteilnehmern die Materie etwas näherbringen und ihnen aufzeigen, welche Komplexität hinter einem Loch oder einer Druckstelle steht. Sie sollen dadurch abschätzen können, welche Schäden sie selber beheben können, weil sie nicht auf das Boot verzichten wollen, oder ob sie es nicht besser auswärts reparieren lassen.  

Hat sich die Anzahl und/oder Art der Reparaturaufträge für Euch in den letzten zehn Jahren verändert?
Die Anzahl der Reparaturen hat sich nicht sehr stark verändert, was sich stark verändert hat, ist, dass vermehrt Schäden über die Versicherung abgewickelt werden. Die Abwicklung dauert daher von Versicherung zu Versicherung teils länger. Das kann die Planung erschweren. Uns hat es gezeigt, dass es wichtig ist, dass Ruderinnen und Ruderer ihre Policen genau lesen und schauen, dass die nötigen Deckungen bestehen.

Gibt es Veränderungen im Bereich der Bootswarte in den Clubs?
Die Aufgabe eines Bootswartes/einer Bootswartin hat sich nicht verändert. Die grösste Veränderung sehen wir in der Menge und im Wert des Clubmaterials, die meisten Clubs besitzen immer mehr Boote. Der oder die Bootswart/in sollte den Überblick über den Zustand des Materials behalten und sollte bei einem Schadensfall die Mitglieder über den Ablauf informieren können. Er/sie agiert meist als Auftraggeber uns gegenüber, da der Club als Eigentümerin der Clubboote für die Auftragserteilung verantwortlich ist – und nicht wie von vielen gedacht der/die Verursacherin des Schadens. Auf diese Weise behalten Bootswarte den Überblick über den Zustand und somit auch den Wert eines Bootes. Die Bootswarte sollten auch die Mitglieder (am Besten mit Hilfe der Trainer/innen) über die Sorgfaltspflicht informieren und diese durchsetzen. Das gehört aber zu den Dingen, die immer schon Aufgabe der Booswart/innen war.

Weitere Einblicke unter: www.staempfli-boats.ch
 

Foto: Stämpfli Racing Boat AG

Sarnen, 25. März 2026 / NS