EM-Bronze für Lina Kühn im Juniorinneneiner

EM-Bronze für Lina Kühn im Juniorinneneiner

Artikel - EM-Bronze für Lina Kühn im Juniorinneneiner

Mit Bronze im Juniorinneneiner erweiterte Lina Kühn ihren bestehenden Medaillensatz im U19-Bereich. Mit dem vierten Rang in einem hochklassigen Finalrennen landete Nicolas Berger im Junioreneiner knapp neben den Medaillen.

Im Doppelvierer belegten sowohl die Juniorinnen als auch Junioren den fünften Rang. 

Bildergalerie U19-EM Varese, Sonntag, 22.05.2022 (Fotograf: Detlev Seyb)

«Diese Bronzemedaille steht am Ende eines längeren Prozesses», sagte Lina Kühn nach der Siegerehrung in Varese glücklich. Bereits im vergangenen Jahr hatte sie grosse Erfolge als Weltmeisterin und Vize-Europameisterin im Juniorinnen-Doppelvierer gefeiert. Auf dieses Jahr hin wechselte sie nun in den Einer. «Ich war neugierig, wie weit ich es alleine schaffen kann.» Im Januar stellte sie im Indoorrudern einen neuen Schweizerrekord auf. Die verbandsinternen Langstreckentests gelangen. Der Fahrplan stimmte. Vor zwei Wochen, bei ihrer persönlichen EM-Generalprobe an der Internationalen Junioren-Regatta in München, siegte sie sowohl am Samstag als auch Sonntag im Juniorinneneiner und demonstrierte damit ihre Konstanz auf hohem Niveau. 

Kein Wunder also gehörte die Zürcherin heute an der U19-EM in Varese zum Kreis der Medaillen-kandidatinnen. Bis kurz vor dem Ziel lag sie auf dem zweiten Zwischenrang hinter der Griechin Aikaterini Gkougkou, an der heute kein Vorbeikommen war. Die Griechin zahlte ihrem hohen Anfangstempo heute aber Tribut, so dass das Verfolgerinnenfeld immer näher rücken konnte. Dass dann aber die Italienerin Aurora Spirito, deren Trainingsgebiet der Lago di Varese ist, derart vehement zum Schlusssprint ansetzte, nahm Lina Kühn zuerst gar nicht wahr. «Ich war total auf mich selber konzentriert und vermied es aus dem Boot zu schauen. Das hätte mich nur unnötig abgelenkt.» Lina Kühn sicherte sich schliesslich in einem äusserst engen Finish hinter der Italienerin die Bronzemedaille und platzierte sich gerade mal 0,88 Sekunden hinter der Siegerin aus Griechenland. Sie befindet sich damit weiterhin auf Kurs für die U19-WM, die Ende Juli an selber Stelle stattfinden wird. 

4. Rang in einem hochklassigen Final
In einem hochklassigen Junioreneiner-Finalrennen, in dem der siegreiche Brite Marcus Chute an einer U19-EM erstmals die 7-Minuten-Barriere durchbrach, musste Nicolas Berger miterleben, dass ein komfortabler zweiter Zwischenrang keine Podiumsgarantie darstellt. Nicolas Berger zeigte ein überzeugendes, starkes Rennen und lag bis rund 200 Meter vor dem Ziel hinter dem Briten auf Silberkurs. Dann aber starteten Belgien und Frankreich einen unwiderstehlichen Sprint, den Nicolas Berger nicht abzuwehren vermochte. Mit dem vierten Rang wurde er schlecht belohnt für seine ansonsten makellose U19-EM-Bilanz mit Siegen sowohl im Vorlauf als auch Halbfinal. 

5. Rang für beide Doppelvierer
Im Juniorinnen-Doppelvierer stellte die Schweiz das Silber-Boot der letztjährigen EM, war aber in drei Position neu besetzt worden. Schlagfrau Alexa von der Schulenburg mit ihren Crew-Mitgliedern Flavia Lötscher, Aurelia Benati und Aline Trevisan konnten im heutigen Final nicht in den Kampf um die Medaillen eingreifen. Polen schien vorerst unschlagbar, bis es im Ziel von Rumänien noch abgefangen wurde. Dahinter platzierten sich Frankreich und Tschechien noch vor der Schweiz. Die Schweizerinnen hatten nach 500 Metern auf dem vierten Zwischenrang gelegen, konnten aber nicht auf einen Podiumsplatz aufrücken. 

Bei den Junioren setzte sich die Ukraine vom Start weg an die Spitze und hielt das Tempo hoch. Die sechs Finalboote reihten sich wie auf einer Perlenkette auf, die Schweizer Nicolas Chambers, Gian-Luca Egli, Leonardo Salerno und Ondrej Zedka mittendrin. Auf der zweiten Streckenhälfte übernahm Tschechien die Führung, Griechenland setzte nach. Die Ukraine fand sich plötzlich auf dem dritten Rang wieder. Die viertplatzierten Italiener rissen schliesslich eine Lücke auf, die die Schweizer nicht mehr schliessen konnten. Es blieb beim fünften Rang. Das Schweizer Boot zeigte ein hochstehendes Rennen, es gelang indessen auf der zweiten Streckenhälfte nicht, eine gute Ausgangsposition für den Schlusssprint zu wahren.

Der Junioren-Doppelzweier mit den Zentralschweizern Ivo Löpfe und Alexander Bannwart siegte im B-Final souverän und belegte den 7. EM-Gesamtrang. Mit diesem Start-Ziel-Sieg gelang den beiden eine eindrückliche Steigerung verglichen zum Halbfinal. Dort war das Schweizer Boot schon vor Streckenhälfte unter Druck geraten und hatte sich verkrampft. Auf der zweiten Streckenhälfte hatten die beiden versucht, die Lücke zum finalberechtigten dritten Rang zu schliessen, was aber nicht gelungen ist. Schon nur zwei Stunden später zeigten sie eine überzeugendere Leistung und gewannen das Rennen mit zwei Bootslängen Vorsprung. 

Fazit des Verbandsdirektors Christian Stofer:
«Vier von sechs Schweizer Booten konnten sich für den A-Final der U19-EM qualifizieren, was die Breite des aktuellen Schweizer Juniorenkaders zeigt. Mit dem Gewinn der Bronzemedaille sorgte Lina Kühn zudem für den anvisierten Medaillengewinn. Die U19-EM war nach der internationalen Junioren-Regatta in München der erste Saisonhöhepunkt und gleichzeitig eine gute Standortbestimmung. Für die U19-WM werden einige Nationen dazukommen, so dass die Athletinnen und Athleten nach den vorerst verdienten Ruhetagen hohe Priorität auf das Training der nächsten drei Wochen legen müssen. Alle Schweizer Boote haben gezeigt, dass sie phasenweise die erforderliche Geschwindigkeit für Junioren-Weltmeisterschaften aufbringen, aber noch nicht über die ganze Renndistanz halten können. SWISS ROWING wird die Ergebnisse und die Leistungsentwicklung der Kadermitglieder anlässlich der zweiten Trials Mitte Juni auf dem Luzerner Rotsee analysieren und sie weiteren Tests unterziehen. Danach erfolgt die Nomination für die U19-WM von Ende Juli in Varese.»


Resultate Sonntag, 22.05.2022

Juniorinneneiner (JW1x)
A-Final
1. Aikaterini Gkogkou (GRE) 7:40,99; 2. Aurora Spirito (ITA) 7:41,16; 3. Lina Kühn (SUI) 7:41,88; 4. Jana Dremelj (SLO) 7:47,56; 5. Ecaterina Fedorenco (MDA) 7:55,41; 6. Bianca Camelia Ifteni (ROU) 7:56,92

Juniorinnen-Doppelvierer (JW4x)
A-Final
1. Rumänien 6:31,58; 2. Polen 6:31,76; 3. Frankreich 6:40,29; 4. Tschechien 6:43,47; 5. Schweiz (Alexa von der Schulenburg, Flavia Lötscher, Aurelia Benati, Aline Trevisan) 6:43,64; 6. Griechenland 6:49,70

Junioreneiner (JM1x)
Halbfinal
1. Nicolas Berger (SUI) 7:25,77 (=> A-Final); 2. Ulrik Pharo Lohne (NOR) 7:27,05; 3. August Wisholm (DEN) 7:27,86; 4. Peter Strecansky (SVK) 7:28,03; 5. Ivan Yordanov (BUL) 7:48,25; 6. Kunstelj Aljaz (SLO) 7:49,17
A-Final
1. Marcus Chute (GBR) 6:58,95; 2. Boris Taeldeman (BEL) 7:05,73; 3. Pierre Molins (FRA) 7:05,75; 4. Nicolas Berger (SUI) 7:06,84; 5. Ulrik Pharo Lohne (NOR) 7:12,84; 6. August Wisholm (DEN) 7:22,36

Junioren-Doppelzweier (JM2x)
Halbfinal
1. Daniel Galeza / Piotr Sliwinski (POL) 6:41,27; 2. Ivan Talaja / Marin Smoljanovic (CRO) 6:41,39; 3. Panagiotis Makrygiannis / Leonidas Kopidis (GRE) 6:41,74; 4. Matija Rajkovic / Vuk Mudrinic (SRB) 6:42,49; 5. Ivo Löpfe / Alexander Bannwart (SUI) 6:45,78 (=> B-Final); 6. Matyas Rychnovsky / Jakub Vancura (CZE) 7:24,38
B-Final
1. Ivo Löpfe / Alexander Bannwart (SUI) 6:41,00 (=> 7. EM-Gesamtrang); 2. Matija Rajkovic / Vuk Mudrinic (SRB) 6:45,93; 3. Agoston Palmai / Mate Dravucz (HUN) 6 :46,67 ; 4. Matyas Rychnovsky / Jakub Vancura (CZE) 6:52,20; Marco Dri / Marco Gilardoni (ITA) 6:52,31; 6. Marius Antonsen Thime / Erik Hein (NOR) 6:54,06

Junioren-Doppelvierer (JM4x)
Halbfinal
1. Griechenland 6:05,93; 2. Ukraine 6:07,46; 3. Schweiz (Nicolas Chambers, Gian-Luca Egli, Leonardo Salerno, Ondrej Zedka) 6:09,27 (=> A-Final); 4. Polen 6:10,78; 5. Frankreich 6:17,80; 6. Lettland 6:22,48
A-Final
1. Tschechien 5:51,60; 2. Griechenland 5:52,87; 3. Ukraine 5:52,98; 4. Italien 5:53,83; 5. Schweiz (Nicolas Chambers, Gian-Luca Egli, Leonardo Salerno, Ondrej Zedka) 5:57,85; 6. Slowenien 6:01,79


22.05.2022 / vdg / 17.15h