Aufschlussreiche Olympia-Generalprobe auf dem Luzerner Rotsee

Aufschlussreiche Olympia-Generalprobe auf dem Luzerner Rotsee

Artikel - Aufschlussreiche Olympia-Generalprobe auf dem Luzerner Rotsee

Der fünfte Weltcup-Rang im Männer-Doppelzweier war für Roman Röösli und Barnabé Delarze eine wichtige Momentaufnahme 61 Tage vor den Olympischen Spielen in Tokio. Für Jeannine Gmelin setzte die Standortbestimmung im Fraueneiner als Sechstplatzierte eine Enttäuschung ab.

Der Frauendoppelvierer mit Pascale Walker, Lisa Lötscher, Ella von der Schulenburg und Salome Ulrich belegte den fünften Weltcup-Rang. Insgesamt klassierten sich heute sechs Schweizer Boote in den Top Ten. 

BILDERGALERIE Weltcup Luzern, Finaltag, 23.05.2021 (Fotograf Detlev Seyb)

Noch 61 Tage verbleiben den vier Schweizer Olympiabooten, um ihre Leistungsspitze zu erreichen. Beim Weltcup in Luzern bot sich erstmals die Gelegenheit, an den Booten aus China und Nord-/Südamerika Mass zu nehmen. Eine der wichtigsten Erkenntnisse: Das Niveau hat sich in den letzten Monaten nochmals merklich gesteigert. Paradebeispiel dafür ist der Männer-Doppelzweier. Frankreich, immerhin der amtierende Europameister und Weltcupsieger von Zagreb, belegte heute in einem unglaublich engen Rennen den sechsten Platz, ohne dass das Boot einen Fehler gemacht hätte. «In diesem Olympia-Countdown müssen wir stets das Level erhöhen und uns mit jedem Rennen weiter steigern», erklärte Roman Röösli. «Das ist uns auch im heutigen Rennen gelungen.»

Am Start rieben sich wohl einige Ruderfans die Augen. Röösli / Delarze starteten auf der gegenseitigen Aussenbahn wie von der Tarantel gestochen, setzten sich in wuchtigen Schlägen an die Spitze und legten die schnellsten 500 Meter des Teilnehmerfelds hin. Dies passierte indes unbemerkt von den beiden. «Wir hatten uns lediglich vorgenommen, nicht mehr so oft aus dem Boot zu schauen», sagte Roman Röösli nach dem Rennen mit einem Lachen. «Aber wir merkten durchaus, dass uns der Start gelungen war und wir gut im Rennen lagen.» Kurz nach der 500-Meter-Marke erhöhten Irland und China indessen den Druck. 

Bei Streckenhälfte lagen Irland und China vor den Schweizern. Im dritten Streckenviertel schlossen auch die Niederländer und Briten auf die Schweizer auf. «Spannend für uns wie auch die Zuschauer war doch, dass jedes Boot dieses Rennen gewinnen konnte», so Barnabé Delarze. Irland und China kämpften um den Spitzenplatz, dahinter passierte das Verfolgertrio die 1500-Meter-Marke innerhalb von 65 Hundertstelsekunden. China überspurtete auf dem letzten Streckenabschnitt noch Irland, dahinter ruderten die Niederlande, Grossbritannien und die Schweiz im Abstand von einer Sekunde über die Ziellinie. «Wir nehmen wichtige und positive Erkenntnisse mit. Mal sehen, wie sich der nächste Weltcup in Itaen in zwei Wochen entwickelt», ist Roman Röösli zuversichtlich. 

Jeannine Gmelin: «Das Rennen passierte ohne mich»
«Ich muss zuerst mal 1-2 Nächte darüber schlafen und dieses Rennen von heute hinter mir lassen», sagte Jeannine Gmelin nach ihrem 6. Rang im A-Final des Fraueneiners. Sie zog auf dem Rotsee heute einen schwarzen Tag ein. Auf der Aussenbahn gestartet, konnte sie sich von Anfang nicht an den Schnellstarterinnen aus Österreich (Magdalena Lobnig), Russland (Hanna Prakhatsen) und den USA (Kara Kohler) orientieren. Diese rissen früh eine Lücke auf. Bei Streckenhälfte betrug Jeannine Gmelins Rückstand auf einen Podiumsplatz bereits fünf Sekunden.

Schliesslich musste sie auch noch gegen den Wellenschlag des TV-Kameraboots ankämpfen, das weiter vorne die führenden Boote begleitete. So verlor Jeannine noch mehr an Boden und belegte schliesslich den sechsten Rang. «Im ersten Moment ist dies sicherlich ein Schock für mich. Ich werde aber die gesamten Renndaten gut analysieren, um die Lehren daraus zu ziehen. In den verbleibenden Wochen werde ich noch viel an der Physis arbeiten. Hier liegt sicherlich noch etwas drin.» Der Sieg ging an die Russin Hanna Prakhatsen, Zweite wurde die US-Amerikanerin Kara Kohler, den dritten Rang belegte Sanita Puspure aus Irland.

Frauendoppelvierer: Kampfgeist bewiesen
In einem Feld aus lauter Olympiateilnehmerinnen startete der Schweizer Doppelvierer mit Pascale Walker, Lisa Lötscher, Ella von der Schulenburg und Salome Ulrich zwar als Aussenseiterboot, aber nicht aussichtslos. Mit dieser Einstellung stiegen die vier Schweizerinnen ins Rennen und kämpften sich auf der zweiten Streckenhälfte erfolgreich an das Boot aus den Niederlanden heran. «Ich spürte, dass wir alle dieses Boot unbedingt noch einholen wollten», sagte Schlagfrau Pascale Walker nach dem Rennen. Mit einem starken Endspurt überholte der Schweizer Doppelvierer das niederländische Boot und erkämpfte sich verdient den fünften Weltcup-Rang. Gewonnen wurde das Rennen von China, vor Deutschland und Italien. 

Vierer-ohne: Konstanz ins Boot gebracht
Bereits früher am Sonntagmorgen hatten die beiden Schweizer Vierer ohne Steuermann den B-Final gegen Niederlande 1 und Irland bestritten. Dem Elite-Boot der Schweiz gelang ein starkes Rennen. Fast hätten es Andrin Gulich, Joel Schürch, Paul Jacquot und Markus Kessler geschafft, das Boot aus den Niederlanden niederzuringen. Bis zur Streckenhälfte lauerte das Schweizer Boot mit einem Rückstand von eineinhalb Sekunden auf die Niederländer an zweiter Stelle liegend auf seine Chance. Dank einem guten Rhythmus konnten die Schweizer das Grundtempo erhöhen und setzten sich kurz vor der 1500-Meter-Marke an die Spitze. Das Boot aus den Niederlanden reagierte indessen sofort, setzte früh zu einem langen Endspurt an und eroberte die Spitzenposition 100 Meter vor dem Ziel zurück. Den Schweizern gelang der Konter nicht mehr, sie belegten den zweiten Rang (8. Weltcup-Rang). Irland wurde Dritter und das zweite Schweizer Boot mit der U23-Crew Maurin Lange, Patrick Brunner, Dominic Condrau und Nils Schneider Vierter (10. Weltcup-Rang). 

Ahumada / Struzina: Den Mutigen gehört die Welt
Die U23-Crew Raphaël Ahumada und Gian Struzina ging im B-Final des leichten Doppelzweier erneut unerschrocken und mutig ans Werk. Bis zur 1500-Meter-Marke lagen die beiden auf dem zweiten Zwischenrang. Dann wurde rundherum nochmals an Tempo zugelegt. Die Schweizer gingen mit. Auf einer Linie aufgereiht passierten die ersten vier Boote die 1750-Meter-Marke. Dann setzten sich China und Polen im Schlussspurt ab und die US-Amerikaner schoben sich an den Schweizern vorbei. Mit dem 4. Rang im B-Final belegte das Duo den 10. Weltcup-Rang und bereitet sich, genauso wie die anderen Nachwuchscrews, nun weiter auf die U23-WM (7.-11.7.) in Tschechien vor.

Das Fazit des Verbandsdirektors Christian Stofer:
«Am ersten Rennwochenende auf dem Rotsee haben wir einen Olympia-Quotenplatz geholt und beim zweiten eine grosse Schweizer Delegation unter anderem auch mit einigen jungen Crews gesehen. Jedes Boot konnte auf seine Art wichtige Erkenntnisse gewinnen. Der A-Final im Männer-Doppelzweier mit Roman Röösli und Barnabé Delarze war ein Weltklasserennen, das viel Spektakel bot. Wichtig für die Standortbestimmung war die Erkenntnis, dass die beiden ein Rennen erfolgreich vom Start weg rudern können. Ich freute mich zudem über den Kampfgeist des Frauendoppelvierers. Die Ruderinnen blieben stets dran, überholten die Niederlande und bedrängten mit ihrem Speed zum Schluss gar die Polinnen. Nachdem für Jeannine Gmelin bereits gestern im Halbfinal des Fraueneiners ein grosser Effort notwendig gewesen war, konnte sie heute nicht ins Rennen eingreifen. Wir schwenken nun in eine der letzten Vorbereitungsphasen ein und werden die Erkenntnisse vom Rotsee entsprechend in unsere Planung einbauen.»  

 

Resultate, 2. Weltcup Luzern, vom Sonntag, 23.05.2021

Frauen
Einer (W1x) 
A-Final
1. Hanna Prakhatsen (RUS) 7:28.07; 2. Kara Kohler (USA) 7:29.57; 3. Sanita Puspure (IRL) 7:30.02; 4. Magdalena Lobnig (AUT) 7:30.86; 5. Victoria Thornley (GBR) 7:32.54; 6. Jeannine Gmelin (SUI) 7:44.82

Doppelvierer (W4x)
A-Final
1. China 6:25.07; 2. Deutschland 6:29.73; 3. Italien 6:30.24; 4. Polen 6:33.16; 5. Schweiz (Pascale Walker, Lisa Lötscher, Ella von der Schulenburg, Salome Ulrich) 6:34.81; 6. Niederlande 6:36.34

Männer
Doppelzweier (M2x)
A-Final
1. Liang Zhang / Zhiyu Liu (CHN) 6:18.91; 2. Philip Doyle / Ronan Byrne (IRL) 6:19.05; 3. Stefan Broenink / Melvin Twellaar (NED) 1 6:22.33; 4. John Collins / Graeme Thomas (GBR 1) 6:22.68; 5. Roman Röösli / Barnabé Delarze (SUI 1) 6:23.34; 6. Matthieu Androdias / Hugo Boucheron (FRA) 6:25.90

Doppelzweier Leichtgewichte (LM2x)
B-Final
1. Weichun Chen / Qing Li (CHN) (4) 6:38.83; 2. Artur Mikolajczewski / Lukasz Piasecki (POL) 6:39.30; 3. Zachary Heese / Jasper Liu (USA) 6:39.42; 4. Raphaël Ahumada / Gian Struzina (SUI) 6:40.95 (=> 10. Weltcup-Rang); 5. Eber Sebastian Sanhueza Rojas / Cesar Abaroa (CHI) 6:42.28; 6. Afonso Costa / Pedro Fraga (POR 1) 6:49.45

Vierer ohne Steuermann (M4-)
B-Final
1. Niederlande 1 6:10.51; 2. Schweiz 1 (Andrin Gulich, Joel Schürch, Paul Jacquot, Markus Kessler) 6:11.77 (=> 8. Weltcup-Rang); 3. Irland 6:16.20; 4. Schweiz 2 (Maurin Lange, Patrick Brunner , Dominic Condrau, Nils Schneider) 6:19.15 (=> 10. Weltcup-Rang)